WM 2026 – Teamsteckbrief Portugal

Cristiano Ronaldo ist Problem und Lösung zugleich


Aktualisiert am 25.06.2026 – 12:29 UhrLesedauer: 4 Min.

Cristiano Ronaldo: Der Mittelstürmer hat auch im hohen Fußballeralter eine Schlüsselrolle bei den Portugiesen.

Cristiano Ronaldo: Der Mittelstürmer hat auch im hohen Fußballeralter eine Schlüsselrolle bei den Portugiesen. (Quelle: IMAGO/David Martins)

Cristiano Ronaldo ist auch mit 41 Jahren noch immer das Zentrum der portugiesischen Nationalmannschaft. Doch sein Titelfenster schließt sich. Das wirft Fragen auf.

Ein 41-Jähriger, der noch einmal bei einer Fußball-WM antreten will? Das ist ungewöhnlich. Doch Cristiano Ronaldo, der bei der WM 2026 noch einmal für Portugal auflaufen wird, ist in den Augen vieler kein gewöhnlicher Spieler. Er selbst betont, dafür körperlich topfit zu sein, und seine zig Oben-ohne-Fotos in den sozialen Netzwerken scheinen ihm recht zu geben. Die große Frage ist, in welcher Rolle er in Nord- und Mittelamerika für sein Land antritt und ob die Rolle, die er sich vorstellt, auch die ist, die seinen Teamkollegen hilft.

Portugals Mannschaft hat sich in Ronaldos sehr langem Karriereherbst spürbar verändert: Das Spiel wird inzwischen vom Mittelfeld aus gelenkt, ist weniger auf den Strafraumstürmer zugeschnitten, der Ronaldo heute ist. Passmaschine Vitinha gibt den Takt vor, Bruno Fernandes und Bernardo Silva assistieren. Die Mannschaft wirkt reifer, balancierter – doch sie bleibt an der Frage hängen, wie viel Raum Ronaldo noch einnehmen darf, ohne die Dynamik zu bremsen.

So hat sich Portugal für die Weltmeisterschaft qualifiziert

Portugal schaffte über die europäische Qualifikationsgruppe F den Sprung zur WM 2026. Die Gruppe war ausgeglichen, aber ohne große Gegner besetzt – mit Irland, Griechenland, Finnland und Gibraltar. Gerade das machte viele Spiele unangenehm: wenig Raum, das erfordert viel Geduld, kaum offene Duelle.

Auffällig war die Niederlage gegen Irland. Portugal kontrollierte die Partie über weite Strecken, fand aber kaum Wege, Torchancen zu kreieren, und zeigte sich defensiv verwundbar. Dieses Spiel legte ein Muster offen: Dominanz ja, Durchschlagskraft nicht immer. Portugal tat sich gegen tief stehende Gegner schwer, das Tempo konstant hochzuhalten. Die Qualifikation verlief dennoch erfolgreich.

Das sind die wichtigsten Spieler Portugals

  • Cristiano Ronaldo (Al-Nassr, Marktwert noch ca. 12 Millionen Euro): Ronaldo ist die prägendste Figur der portugiesischen Fußballgeschichte. Im Strafraum ist er noch immer gefährlich, davon weiß seit der Nations League im vergangenen Jahr auch die deutsche Nationalmannschaft ein Lied zu singen. Außerhalb davon aber ist er zunehmend limitiert. Portugals Spieltempo steigt ohne ihn. Auch die Arbeit gegen den Ball ist weniger intensiv. Seine Rolle wird der zentrale Balanceakt für Nationaltrainer Roberto Martínez.
  • Bruno Fernandes (Manchester United, Marktwert ca. 55 Millionen Euro): Bruno Fernandes ist der Antreiber der Portugiesen. Er sucht vertikale Lösungen, Abschlüsse aus der zweiten Reihe und übernimmt Verantwortung, wenn Spiele kippen. Mit Manchester United ging es zuletzt für ihn wieder aufwärts.
  • Vitinha (Paris Saint-Germain, Marktwert ca. 55 Millionen Euro): Vitinha ist das taktische Zentrum der Seleção. Er fordert permanent den Ball, lenkt das Tempo und gibt dem Spiel Struktur. Er gilt als einer der besten Sechser der Welt.
Leader bei Paris Saint-Germain und für Portugal: Mittelfeldstar Vitinha. (Quelle: Jae Hong/AP/dpa/dpa-bilder)
  • Bernardo Silva (Manchester City, Marktwert ca. 60 Millionen Euro):
    Silva verbindet die Mannschaftsteile. Er hält die Bälle auch unter Druck, zieht Gegenspieler aus ihren Positionen und hält das Spiel der Portugiesen stabil. Sein Einfluss ist größer, als seine Statistiken es nahelegen.
  • João Neves (Paris Saint-Germain, Marktwert ca. 60 Millionen Euro): Neves ist der Aufsteiger im Mittelfeld: laufstark, aggressiv, torgefährlich. Auffällig: Bei Standards übernimmt er zunehmend Verantwortung, auch bei Freistößen, sofern Ronaldo sie nicht für sich beansprucht. Der Generationenwechsel zeigt sich hier im Detail.

Das ist der Trainer: Roberto Martínez war in Belgien gescheitert

Roberto Martínez ist kein Lautsprecher, eher ein stiller Arbeiter. Als Nationaltrainer Belgiens stand er jahrelang an der Seitenlinie einer der talentiertesten Generationen Europas, mit Spielern wie Eden Hazard, Kevin De Bruyne oder Romelu Lukaku. Trotz dieser überragenden Qualität gewann Belgien unter Martínez keinen Titel, schaffte es 2018 aber ins Halbfinale. Bei der WM 2022 wirkte das Team taktisch erstarrt und mental leer.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version