Regierungsbildung
CDU lehnt SPD-Einladung ab – wie weiter in Sachsen-Anhalt?
Aktualisiert am 24.09.2026 – 12:39 UhrLesedauer: 3 Min.
Die CDU will aktuell keine Gespräche über eine mögliche Regierung in Sachsen-Anhalt führen. Im Patt mit der AfD kommt dem BSW eine Schlüsselrolle zu. Wie reagieren die anderen auf die SPD-Einladung?
In der CDU dachten manche zuerst, die Sozialdemokraten hätten sich einen Scherz erlaubt. Die SPD, die bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit etwas mehr als neun Prozent drittstärkste Kraft wurde, lädt zum Dialog über die Regierungsbildung ein – und das auch noch parallel zu den laufenden Gesprächen von AfD und BSW. Wenige Stunden nach der überraschenden SPD-Einladung folgte die Absage der Christdemokraten. Nach der schmerzhaften Wahlniederlage sieht sich die CDU von Noch-Ministerpräsident Sven Schulze in der Opposition.
Gemeinsam mit CDU, Grünen, Linken und BSW wollten die Sozialdemokraten am nächsten Dienstag darüber beraten, wie es nach der Wahl weitergehen kann – und ob es nicht vielleicht doch eine Chance gibt, abseits der AfD eine Regierung ins Amt zu bringen, etwa durch die Wahl eines überparteilichen Ministerpräsidenten. Doch daraus wird vorerst nichts. „Die CDU Sachsen-Anhalt wird an diesem Gespräch nicht teilnehmen“, sagte eine CDU-Sprecherin. Der Landesvorstand habe beschlossen, dass man in die Opposition gehe. „An dieser Entscheidung hält der Landesverband fest.“
Alles versucht gegen die AfD?
Bei der Landtagswahl am 6. September war die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund mit 43,8 Prozent stärkste Kraft vor der CDU mit 17,2 Prozent geworden. Die CDU sieht den Regierungsauftrag deshalb bei der AfD. „Das Wahlergebnis ist relativ eindeutig, der Ball liegt im Spielfeld der AfD“, sagte CDU-Landesvize Marco Tullner. Wenn es bei den Gesprächen zwischen AfD und BSW nicht vorangehe, könne man neu überlegen, so Tullner mit Blick auf die SPD-Einladung. „Aber der Zeitpunkt jetzt ist falsch.“
In Sachsen-Anhalt will niemand mit der AfD koalieren. AfD und BSW loten jedoch aus, inwiefern eine inhaltliche Zusammenarbeit möglich ist. Eine Koalition mit der AfD lehnt auch das BSW ab. Bei den Gesprächen geht es um Inhalte, die eine AfD-geführte Minderheitsregierung umsetzen müsste.
Für die Parteien auf der linken Seite des Parteienspektrums ist eine AfD-geführte Regierung ein Alptraum-Szenario. Sie wollen nichts unversucht lassen. Für SPD, Grüne und Linke geht es mit dem gemeinsamen Gespräch auch um ein Zeichen nach innen an die Mitglieder und nach außen an die Wähler – dass man eben alles versucht hat, um eine AfD-Regierung doch noch zu verhindern.
Linke und Grüne bedauern CDU-Absage
Auch ohne die CDU-Spitze möchten sich Vertreter der drei Parteien in Magdeburg mit dem BSW treffen. Gerade weil niemand eine einfache Lösung präsentieren könne, sei es wichtig, miteinander zu reden, sagte ein Linken-Sprecher. „Dass die CDU in der gegenwärtigen Situation nicht zu einem gemeinsamen Gespräch bereit ist, halten wir für falsch.“
Auch die Grünen bedauern die Absage. „Es ist schade, dass die CDU nicht teilnimmt“, sagte Co-Landeschefin Susan Sziborra-Seidlitz der Deutschen Presse-Agentur. Man begrüße die Initiative der SPD. „Es muss schnell eine Regierung geben.“ Schließlich müsse zeitnah ein Landeshaushalt aufgestellt werden, so Sziborra-Seidlitz. Eine monatelange Hängepartie würde Initiativen und Projekte schwer treffen.
