Investorenstreit

Räumungsaufforderung: Berliner Kult-Klub droht das Aus

16.06.2026 – 02:49 UhrLesedauer: 2 Min.

Der Club Cassiopeia auf dem RAW-Gelände (Archivbild): Es droht das Aus. (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Die Eigentümerin des RAW-Geländes hat dem Club Cassiopeia die Räumung aufgetragen – in nur zwei Wochen. Was das für das gesamte Gelände bedeutet.

Auf dem RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain eskaliert offenbar ein seit Jahren schwelender Konflikt. Die Eigentümerin des Geländes, die Göttinger Kurth-Gruppe, hat einzelne Clubs und Kulturbetriebe zur Räumung aufgefordert und das Planungsverfahren für „endgültig gescheitert“ erklärt, berichten mehrere Medien übereinstimmend. Auch das Cassiopeia soll gehen – bis Ende Juni. Geschäftsführer Florian Falkenhagen zeigte sich gegenüber dem rbb fassungslos: „Da soll in zweieinhalb Wochen ein 20 Jahre alter Betrieb abgewickelt werden.“

Der Club ist mehr als eine Tanzfläche. Im sogenannten soziokulturellen L – einem L-förmigen Gebäudekomplex auf dem Gelände – sind neben dem Cassiopeia auch Ateliers, eine Skatehalle, eine Zirkusschule und viele weitere Projekte angesiedelt. Ein Großteil davon ist auf die Einnahmen des Clubs angewiesen, weil er sich nicht aus eigenen Mitteln trägt. Fiele das Cassiopeia weg, geriete das gesamte Geflecht ins Wanken – eine Insolvenz wäre nach Angaben der Betreiber die unmittelbare Folge.

Verhandlungen über Entwicklung des Geländes laufen seit 2015

Senat und Bezirksamt wiesen den Schritt der Kurth-Gruppe scharf zurück. Beide Seiten erklärten gemeinsam, der Ausstieg sei unverständlich, weil zuletzt ein konkretes Angebot in Form eines Rahmenvertrags auf dem Tisch gelegen habe. Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) nannte den Rückzug der Eigentümerin gegenüber dem rbb eine überschrittene „rote Linie“ und kündigte an, auf ein weiteres Spitzengespräch zu dringen. Die Kurth-Gruppe sieht das anders: Frühere Absprachen seien vom Land Berlin nicht umgesetzt worden, der zuletzt vorgelegte Rahmenvertrag habe ausschließlich die Interessen des Landes widergespiegelt.

Seit dem Kauf des Geländes im Jahr 2015 verhandelt die Kurth-Gruppe mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg über eine Entwicklung, die Neubau und den Erhalt der gewachsenen Subkultur verbinden soll. Was über Jahre als mögliches „Leuchtturmprojekt“ galt, ist nun offenbar gescheitert. Alle Beteiligten erklären sich zwar weiterhin gesprächsbereit – ob es jedoch zu einer Einigung kommt, ist ungewiss. Die Zeit drängt.

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