„Der Tag war einer der schlechteren meines Lebens“
Bei Nagelsmann zeigt sich Klopp geläutert
24.07.2026 – 19:17 UhrLesedauer: 5 Min.
Bei seiner ersten Pressekonferenz als Bundestrainer präsentiert sich Jürgen Klopp in Redelaune. Der Auftritt des 59-Jährigen ist dabei facettenreich.
Aus Frankfurt am Main berichtet William Laing
Die Verträge sind unterschrieben, ein neues Kapitel hat begonnen: Jürgen Klopp ist der nächste Bundestrainer der deutschen A-Nationalmannschaft. Am Freitag verkündete der DFB die Personalie auf seinen Kanälen und bat drei Wochen nach dem enttäuschenden WM-Aus gegen Paraguay in den USA direkt zur ersten Pressekonferenz mit dem Nachfolger von Julian Nagelsmann.
Als „Wunschlösung“ bezeichnete Verbandspräsident Bernd Neuendorf dabei am Campus in Frankfurt am Main den ehemaligen Trainer von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool. „Da waren wir uns im Verband auch sehr einig, dass er eigentlich der Kandidat ist, mit dem wir sprechen müssen.“ Wochenlang sei der Austausch mit Klopp gelaufen. „Bis zum gestrigen Tag“, so Neuendorf.
Die Gespräche haben nun nachweislich Früchte getragen. Klopps Vertrag als Bundestrainer läuft über vier Jahre bis 2030, beinhaltet also die Teilnahme an der Europameisterschaft 2028 in Großbritannien und Irland sowie an der Weltmeisterschaft 2030 in Spanien, Portugal und Marokko. Sein Auftrag – primär für diese Turniere – ist dabei klar: Er soll die DFB-Elf nach Jahren der sportlichen Tristesse zurück in die Erfolgsspur führen.
Bei seinem ersten Medientermin in neuer Rolle inszenierte sich der Bundestrainer jedoch nicht wirklich als Heilsbringer. Vielmehr trat Klopp als Kritiker und Mahner auf, zeigte sich hinsichtlich des Umgangs mit seinem Vorgänger zudem geläutert. Mit Blick auf den von ihm erwarteten Umschwung gab er sich derweil als volksnaher Realist, ohne dabei aber einen gewissen Optimismus außer Acht zu lassen.
„Richtig vor schnell“: Klopp startet mit Medienschelte
Insbesondere Klopps Premierensätze am DFB-Pressepodest ließen am Freitag aufhorchen, fielen sie doch ob ihrer Schärfe in die Kategorie „denkwürdig“. Der neue Bundestrainer ließ es sich nämlich nicht nehmen, überaus kritische Worte an die Medienschaffenden vor Ort zu richten. Zunächst beschwor er zwar einen gemeinsamen Weg mit der deutschen Presse, verkündete dann aber auch, die Arbeit mit dieser in den vergangenen Jahren nicht vermisst zu haben. Nun habe er sich dem Ganzen jedoch bewusst ausgesetzt, erklärte er und geriet kurz darauf dann richtig in Fahrt.
„Auf dem Weg, auf den wir uns einigen müssen, wäre es irgendwie hilfreich, wenn wir richtig vor schnell stellen bei der Berichterstattung“, forderte Klopp und äußerte damit unmissverständlich Kritik an der bisherigen Arbeit von Teilen der Presse. „Wenn wir das Hirn mit einschalten, wenn wir etwas erfahren, ob wir es wirklich auch raushauen. Oder ob wir einfach im Sinne der Sache dann denken: ‚Ja, komm, drücken wir einfach mal ein Auge zu.'“
Im Video | Klopp: „Dann bin ich weg“
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