„Stadtbild hat sich verändert“
Bülent Ceylan nutzt Operndebüt für Ansage an Friedrich Merz
26.06.2026 – 04:56 UhrLesedauer: 2 Min.
Bülent Ceylan steht bald als Bassa Selim auf der Opernbühne. Was er dabei über Merz, Netanjahu und türkischstämmige AfD-Wähler sagt.
Comedian Bülent Ceylan gibt sein Operndebüt an der Berliner Staatsoper – und nutzt die Bühne für eine direkte Botschaft an Bundeskanzler Friedrich Merz. In Mozarts „Entführung aus dem Serail“ übernimmt er die Sprechrolle des Bassa Selim. Dabei weist er das Publikum darauf hin, dass ein südafrikanischer Tenor den spanischen Edelmann Belmonte singt – mitten in Berlin-Mitte: „Sehen Sie, Herr Merz, das Stadtbild hat sich verändert.“
Regisseurin Andrea Moses hatte Ceylan bewusst doppelt besetzt: als Bassa Selim und als Comedian, der das Geschehen kommentiert – und laut eigenem Bekunden schon vor der Ouvertüre auf die Bühne rennt. Rassistische Stereotype des Stücks lässt die Inszenierung bewusst stehen, Ceylan reagiert live darauf. Wenn vom „Mohrenlande“ gesungen wird, unterbricht er: „Leute, das sagt man doch nicht, nichts gegen Rassismus, äh, doch …“
Premiere am 28. Juni in der Berliner Staatsoper
Politisch macht Ceylan auch abseits der Bühne keinen Hehl aus seiner Haltung. Netanjahus Vorgehen kritisiert er offen im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“ – und vermisst beim Kanzler den Mut dazu: „Wenn Friedrich Merz zu sowas mal die Eier hätte!“ Dass türkischstämmige Deutsche die AfD wählen, obwohl Björn Höcke ihnen nach seinen Worten die Staatsbürgerschaft entziehen will, beschäftigt ihn besonders: „Ich bin hier in Deutschland geboren, ich lebe hier, ich habe einen deutschen Pass, eine deutsche Mama. Ich liebe mein Land, und ich möchte hier bleiben.“
Zur Premiere am 28. Juni in der Staatsoper gibt sich Ceylan entspannt – mit einer Begründung, die sitzt: „Die Staatsoper hat um meinen Auftritt gebeten, nicht umgekehrt. Also muss nicht ich da jetzt durch, sondern die Oper.“
