Experten klären auf
Buckelwal Timmy ist seine Familie komplett egal
Aktualisiert am 30.04.2026 – 11:08 UhrLesedauer: 2 Min.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister scherzt über ein Wiedersehen zwischen Timmy und seiner Walmutter. Experten zufolge sind Buckelwale jedoch Einzelgänger – familiäre Bindungen spielen für sie keine Rolle.
Wal Timmy hat höchstwahrscheinlich keinerlei Interesse daran, nach einer Rückkehr in den Atlantik seine Mutter zu treffen. Aber nicht etwa, weil er eine strenge Ermahnung von ihr zu befürchten hätte. Vielmehr liegt der Grund in der Biologie von Buckelwalen.
„Wenn er im Atlantik auf seine Mutter trifft, wird die hoffentlich ordentlich mit ihm schimpfen, wo er denn so lange war“, hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus gesagt, nachdem der Buckelwal vor der Insel Poel in die Barge geschwommen war, die ihn nun Richtung Heimat bringen soll. Der Scherz des Ministers hat Experten zufolge aber keinen wahren Kern: Dem etwa vier bis sechs Jahre alten Bullen dürfte seine Familie komplett gleichgültig sein.
„Im Gegensatz zu Zahnwalen bilden Bartenwale keine stabilen sozialen Gruppen, sogenannte Schulen“, erklärte das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund. Die Kälber verblieben lediglich die etwa zwölf Monate währende Stillzeit bei ihren Müttern.
Die Wal- und Delfinschutzorganisation WDC („Whale and Dolphin Conservation“) teilte unterdessen mit: „Während wir Menschen unseren Eltern oft ein Leben lang nahestehen, trennen sich die Wege zwischen Buckelwalen recht schnell.“ Die Tiere kämen zwar punktuell mit Artgenossen zusammen, zum Beispiel, um effektiver Jagd auf Beute zu machen, zur Paarung oder um gemeinsame Kulturen zu pflegen. „Im Großen und Ganzen sind Buckelwale jedoch Einzelgänger.“
Buckelwale haben der Tierschutzorganisation WDC zufolge eine Lebenserwartung von etwa 80 Jahren. Bullen sterben Experten zufolge oft jünger, unter anderem wegen der aggressiven, stressigen Konkurrenzkämpfe um Weibchen.
Die konkreten Chancen für ein langes Leben von Buckelwal Timmy schätzt das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund noch weitaus schlechter ein: „Der mehrtägige Transport wird sehr wahrscheinlich zu weiterem Stress und eventuellen Verletzungen führen“, teilten die Experten mit. Insbesondere der durch Schiffsmotoren entstehende Lärm werde dem Tier schwer zusetzen. Die Barge wirke als Resonanzkörper: Eine temporäre oder gar dauerhafte Schädigung des empfindlichen Gehörs des Wals könne somit nicht ausgeschlossen werden.
