BSW-Politiker bei „Lanz“

Kritik an WM-Beitrag von Merz: „Völlig lebensfremd“


01.07.2026 – 02:17 UhrLesedauer: 3 Min.

Fabio De Masi bei einer Pressekonferenz: Der BSW-Politiker kritisiert Bundeskanzler Friedrich Merz. (Archivbild) (Quelle: IMAGO/imago)

Bei „Markus Lanz“ zeichnete ZDF-Korrespondent Röller ein düsteres Bild der EU. Indes verteidigte De Masi den umstrittenen BSW-Kurs zur AfD.

Wie handlungsfähig ist die EU wirklich? Bei „Markus Lanz“ diskutierten Dienstagabend die Vizepräsidentin des Europaparlaments Katarina Barley, BSW-Europapolitiker Fabio De Masi und ZDF-Korrespondent Ulf Röller über Europas Zukunft. Die Debatte machte deutlich, wie unterschiedlich die Einschätzungen zur Handlungsfähigkeit Europas ausfallen.

Die Gäste

  • Katarina Barley (SPD), Vizepräsidentin des Europaparlaments
  • Fabio De Masi, BSW-Europapolitiker
  • Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios Brüssel

Zu Beginn ging es um das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft – und um Friedrich Merz. Der Kanzler hatte Donald Trump beim G7-Gipfel in Évian ein Deutschlandtrikot mit der Nummer 47 überreicht. De Masi kritisierte das scharf: „Ich fand das würdelos.“ Das Trikot habe Symbolkraft „in einer Zeit, wo wir doch eigentlich unabhängiger werden müssen von Donald Trump“. Sich so anzubiedern, sei falsch.

Auch Merz‘ nächtlicher Tweet nach dem Aus im Elfmeterschießen gegen Paraguay sorgte für Kopfschütteln. „Ihr habt unser Land begeistert“, hatte der Kanzler geschrieben. De Masi sagte, das wirke „völlig lebensfremd“. Der Kanzler habe angesichts der Lage im Land offenbar jeden Sinn für die Realität verloren.

Barley: „Ein Symbol, das man nicht unterschätzen darf“

Barley erklärte, dass Deutschland in der EU immer noch als Lokomotive wahrgenommen werde. Zugleich verwies sie auf ein anderes Symbol: die Deutsche Bahn. „Das ist ein Symbol, das man nicht unterschätzen darf“, sagte sie. Ihr niederländischer Mann habe früher ein Sprichwort gehabt: „Du bist so pünktlich wie die Deutsche Bahn in den Niederlanden.“ Das gelte heute nicht mehr.

ZDF-Korrespondent Röller kritisierte die EU-Institutionen scharf. Er sei erstaunt gewesen, „mit welchem Selbstbewusstsein Europa sich die Zeit nimmt, in verschiedensten Gremien über Dinge zu diskutieren, die einfach woanders viel schneller verhandelt werden“.

Am Beispiel des gescheiterten deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS machte die Runde die Probleme Europas fest. Allein die Entwicklungskosten hätten 3,2 Milliarden Euro betragen. Barley erklärte das Scheitern mit „nationalen Egoismen“. Die französische Industrie habe befürchtet, deutsche Unternehmen könnten Zugang zu ihrem technologischen Know-how erhalten.

Während die USA 30 Waffensysteme hätten, leiste sich Europa 178, rechnete Lanz vor. Barley forderte einen Binnenmarkt für Rüstung: Alle Länder sollten bei den jeweils besten Herstellern einkaufen – wer die besten Flugzeuge baue, wer die besten Hubschrauber. So ließen sich durch Mengeneffekte die Kosten drastisch senken.

Röller: „Es wirkt wie ein Hühnerhaufen“

Als Putin zumindest andeutete, reden zu wollen, offenbarte sich das ganze Dilemma der EU. „Auf einmal gibt es keinerlei Einigung mehr“, sagte Röller. Kanzler Merz wolle verhandeln, weil Deutschland zahle. Die Franzosen müssten dabei sein. Die Polen protestierten. Dann werde EU-Ratspräsident Costa nach vorne geschoben. „Es wirkt wie ein Hühnerhaufen“, sagte Röller.

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