Angriff auf den CSD

„Gemeinsam stärker als der Hass“ – wie Berlin am Tag nach dem Anschlag trauert


26.07.2026 – 16:11 UhrLesedauer: 2 Min.

Trauer im Tiergarten: Daniel Stein schreibt eine Botschaft auf ein Papier in der Nähe der Stelle, an der ein Mann mit einem Lieferwagen in Menschen raste. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-bilder)

Am Tag nach dem Anschlag sind Trauer und Entsetzen groß. Am Tatort wächst ein improvisierter Andachtsort zwischen Absperrgittern und Hundertschaften der Polizei.

Im Tiergarten herrscht am Sonntagmorgen beinahe gespenstische Stille. Hier am Ahornsteig ist wenige Stunden zuvor ein weißer Lieferwagen auf einem Fußgängerweg in den Park und in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau stirbt, es gibt 29 Verletzte, mehrere von ihnen sind schwer verletzt.

Die Polizei hat den Bereich großräumig abgesperrt, mehrere Hundertschaften sind vor Ort. Und auch das Presseaufgebot am Morgen ist groß. Zahlreiche Kameras sind aufgebaut. Und dennoch ist es ruhig. Es wird wenig gesprochen, und wenn, dann leise. Einige Passanten kommen am Tatort vorbei, einige bringen Blumen mit. Ein junger Mann fragt einen Polizisten, wo er seinen Strauß hinlegen darf. „Es gibt keinen richtigen Andachtsort“, antwortet der Beamte. Er deutet auf den Weg: „Vielleicht einfach hierhin“.

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Passant: „Von dem Anschlag zu hören, hat mir das Herz gebrochen“

Der junge Mann mit den Blumen heißt Daniel Stein. Er kommt aus Landshut in Bayern und hatte am Samstag beim CSD gefeiert. „Ich bin angereist, um hier das zu feiern, was ich bin“, sagt Stein. „Wir haben gestern Liebe und Freude verbreitet, und dann von dem Anschlag zu hören, hat mir das Herz gebrochen.“

Polizei im Tiergarten: Hundertschaften durchsuchten den Bereich rund um den Tatort. (Quelle: AP Photo/Markus Schreiber/dpa-bilder)

Andere Passanten haben zwei Plakate auf den Weg gelegt und Stifte daneben. Auf einem Plakat steht die Überschrift „Wir sind“ – darunter schreiben Menschen Worte wie „traurig“, „voller Mitgefühl“, „voller Unverständnis“ oder „voller Sorge“. Auf dem anderen Plakat steht „Wir sind nicht“ als Überschrift, darunter in bunten Farben „ängstlich“ oder „voller Hass“.

Das Tatfahrzeug: Der weiße Kleinlieferwagen war erst durch eine Menschenmenge gefahren und später gegen einen Baum geprallt. (Quelle: AP Photo/Markus Schreiber/dpa-bilder)

Die Botschaft an diesem Morgen ist klar: Die Trauer und das Entsetzen sind groß, aber niemand in der queeren Community will Hass und Wut in sein Herz lassen. Keinen Hass auf den Tatverdächtigen Abdul Ballout, nach dem die Polizei mit einem Großaufgebot fahndet. Laut dem Sprecher der Berliner Polizei wird er „der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet“. Ein weiterer Passant sagt, das Schlimme sei, dass die AfD jetzt wieder dazugewinne.

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