Aufregung in Italien

Südtirol stellt seine Blitzer ab


19.11.2025 – 11:10 UhrLesedauer: 2 Min.

Ausgeschaltet: Wegen neuer Vorschriften dürfen Südtirols feste Radarfallen die Geschwindigkeit nicht mehr messen. (Quelle: IMAGO/Michael Bihlmayer)

Fristen, Formulare und fehlende Klarheit: In Italien stehen große Teile der Geschwindigkeitsüberwachung still. Was steckt hinter dem Durcheinander, das selbst die Polizei fassungslos macht?

Ein Landstrich fast ohne Blitzer: In der italienischen Region Südtirol sind fast alle stationären Radaranlagen abgeschaltet. Bis auf wenige Ausnahmen sind nur noch mobile Geräte im Einsatz. Doch gerade den kleinen Gemeinden fehlt die entsprechende Ausrüstung. In weiten Teilen der Region finden daher kaum noch Tempokontrollen statt. Die Folgen sind erheblich.

Grund für die Blitzerpause ist kein technischer Defekt, sondern ein Dekret von Verkehrsminister Matteo Salvini (Partei Lega). Es schreibt vor, dass alle Radargeräte in ein zentrales Register eingetragen werden müssen. Ohne Eintrag kein Betrieb. Dieses Register wurde aber verspätet fertiggestellt. Deshalb hat Rom die Frist für Eintragungen zwar bis Ende November verschoben. Doch viele Anlagen bleiben trotzdem ausgeschaltet.

Denn die Reform geht noch deutlich weiter. Blitzer dürfen nur an genehmigten Standorten aufgestellt werden: innerorts ausschließlich in Tempo-50-Zonen und außerorts mit einem Mindestabstand von drei Kilometern zueinander. Die Messstellen müssen außerdem klar angekündigt werden.

Unklar bleibt allerdings, ob alle Gerätetypen zusätzlich eine neue technische Homologation und eine jährliche Prüfung benötigen. Das entscheidende Dekret liegt noch in Brüssel. Und genau das ist der Knackpunkt.

Viele Gemeinden lassen nämlich ihre Blitzer vorsorglich ausgeschaltet, um eventuelle Klagen zu vermeiden. Damit geht ihnen viel Geld verloren: Allein 2024 flossen landesweit 1,7 Milliarden Euro aus Bußgeldern in die Kassen – so viel wie nie zuvor.

Aber damit nicht genug. Christian Carli, der Präsident der Vereinigung der Südtiroler Ortspolizei, warnt vor einer weiteren Konsequenz: Automatische Kontrollen können die Zahl der tödlichen Unfälle nämlich um bis zu 26 Prozent senken. Der Kurs von Verkehrsminister Salvini gefährdet also nicht nur die Einnahmen der Gemeinden. Sondern auch das Leben vieler Menschen.

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