Neubeginn in der Pfalz
Keine Kraft mehr – Bischof von Speyer tritt überraschend ab
19.08.2026 – 18:31 UhrLesedauer: 3 Min.
Karl-Heinz Wiesemann legt aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder. Die Diözese braucht nun einen neuen Oberhirten.
Große Überraschung im katholischen Bistum Speyer: Bischof Karl-Heinz Wiesemann ist völlig unerwartet und mit sofortiger Wirkung aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Ihm sei bewusst geworden, dass er nicht mehr die Kraft habe, „die ganze Wegstrecke bis zur vollständigen Umsetzung der anstehenden Strukturreformen zu gehen“, sagte der 66-Jährige einer Mitteilung seines Bistums in der Pfalz zufolge. Papst Leo XIV. habe seinen Rücktritt angenommen, hieß es.
Wiesemann leitete das Bistum Speyer mit seinem Unesco-geschützten Dom seit März 2008. Es umfasst die Pfalz und den Saarpfalz-Kreis mit rund 1,57 Millionen Menschen – davon rund 423.000 Katholiken.
Wiesemann betonte, „die Last der umfänglichen Verantwortung“ habe in ihm „körperlich wie vor allem seelisch schwerwiegende Spuren hinterlassen“. Zahlreiche Wegbegleiter würdigten das Werk des reformorientierten Geistlichen und äußerten Respekt für seinen jetzigen Schritt.
Wiesemann 2007 von Papst Benedikt XVI. zum Bischof ernannt
Wiesemann war der 96. Bischof von Speyer. Er stammt aus dem Erzbistum Paderborn, wo er am 1. August 1960 in Herford geboren wurde. Die Priesterweihe empfing er 1985 in Rom. Ab 1994 wirkte er als Pfarrer und Propst im Sauerland, am 4. Juli 2002 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof. Die Bischofsweihe empfing er in Paderborn. Am 19. Dezember 2007 ernannte Papst Benedikt XVI. ihn zum Nachfolger von Bischof Anton Schlembach in Speyer, die Amtseinführung folgte am 2. März 2008 im Dom.
„Ich bin mit ganzem Herzen und großer innerer Freude mit Ihnen Christ und für Sie Bischof gewesen. Dennoch hat die Last der umfänglichen Verantwortung in mir körperlich wie vor allem seelisch schwerwiegende Spuren hinterlassen“, betonte Wiesemann. Mit Blick auf den Abschied sei ihm das „Herz schwer“, weil er „gerne und mit Freude in unserer nicht nur landschaftlich wunderschönen Diözese“ Bischof gewesen sei.
Deutsche Bischofskonferenz äußert sich zu Rücktritt
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, nahm das Rücktrittsgesuch mit Respekt und Bedauern zur Kenntnis. In einem Brief an Wiesemann schrieb er: „Für das Bistum Speyer und die Deutsche Bischofskonferenz bedeutet Dein Rücktritt einen großen Verlust. Gleichzeitig empfinde ich Hochachtung vor Deiner Entscheidung, die Du lange im Herzen erwogen hast und die Dir nicht leichtgefallen ist.“
Die Evangelische Kirche der Pfalz reagierte ebenfalls voller Respekt und Bedauern auf den Rücktritt. Wiesemann habe die besondere ökumenische Nähe zwischen dem Bistum und der Evangelischen Kirche über viele Jahre konsequent weiterentwickelt, teilte Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst mit. „Ein Amt prägt einen Menschen. Aber ein Mensch prägt auch sein Amt und die Menschen, denen er darin begegnet. Karl-Heinz Wiesemann hat Spuren hinterlassen.“
Die Landesregierung bedauerte den Rücktritt. „Wir haben großen Respekt vor der Entscheidung von Bischof Wiesemann und dafür, dass er offen über die Gründe spricht, die ihn zu diesem schweren Schritt geführt haben“, teilten Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) und die für Religionsgemeinschaften zuständige Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) mit.