Für die deutsche Staatsbürgerschaft

Betrüger täuschen Verwandtschaft mit NS-Opfern vor – Ermittlungen

03.09.2026 – 15:21 UhrLesedauer: 2 Min.

Junger Mann an der KZ-Gedenkstätte Dachau mit der zynischen Losung „Arbeit macht frei“: Deutsche Behörden ermitteln gegen 32 mutmaßliche Betrüger. (Symbolfoto) (Quelle: IMAGO/Davide Elias)

Deutsche Behörden ermitteln gegen mutmaßliche Passbetrüger, die sich als Nachfahren von Nazi-Opfern ausgeben. Vor allem ein Land steht im Fokus.

Betrüger aus China haben sich Recherchen des „Spiegel“ zufolge deutsche Pässe erschlichen und dabei offenbar eine Bundesbehörde ausgetrickst. Demnach haben sie sich fälschlicherweise als Nachfahren von Jüdinnen und Juden ausgegeben, die einst von den Nationalsozialisten verfolgt und aus Deutschland vertrieben oder ausgebürgert worden waren.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf und das Bundeskriminalamt ermitteln dem Bericht zufolge gegen 32 Personen. Die Beschuldigten stammen aus China, inzwischen leben sie aber etwa auf Zypern, in Israel, Großbritannien und den USA. Die Vorwürfe lauten: Verstöße gegen das Staatsangehörigkeitsgesetz und Urkundenfälschung. In etwa der Hälfte der Fälle wurde die deutsche Staatsangehörigkeit bereits verliehen, die übrigen Beschuldigten sollen sie beantragt haben.

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Die mutmaßlichen Passbetrüger nutzten den Artikel 116 des Grundgesetzes, der die Wiedereinbürgerung von Verfolgten des Nationalsozialismus und deren Nachfahren ermöglicht. Das Bundesverwaltungsamt (BVA) in Köln ist für die sogenannten Wiedergutmachungseinbürgerungen zuständig. Allein im vergangenen Jahr gingen dort mehr als 14.000 Anträge ein. Das BVA bearbeitete auch die Unterlagen, die die Beschuldigten eingereicht hatten.

Wongs geben sich als Nachfahren von Süßkinds aus

In einem Fall erschlich sich dem Bericht zufolge ein Chinese, dem Mord vorgeworfen wird, den deutschen Pass. Er wurde vor wenigen Wochen von den USA nach Peking überstellt.

Für ihre Täuschungen erfanden die mutmaßlichen Betrüger Verwandtschaftsverhältnisse zu einst real existierenden Naziopfern, zudem legten sie der Behörde offenbar gefälschte Dokumente vor. Laut den Angaben in den Einbürgerungsanträgen soll etwa eine angebliche Familie mit dem chinesischen Nachnamen Wong von einem jüdischen Ehepaar namens Süßkind abstammen. Karl Siegfried und Gertraud Süßkind gab es wirklich, das Paar musste Deutschland während der Nazi-Diktatur verlassen, es flüchtete nach Palästina.

Der „Spiegel“ hat mit den echten Nachfahren der Süßkinds gesprochen, sie bestätigten, dass die Wongs nicht zu ihrer Familie gehörten. Eine Sprecherin des BVA sagte, dass man sich zu laufenden Ermittlungsverfahren nicht äußere. Auf Fragen zu möglichen Fehlern ging sie nur allgemein ein: Es gebe manchmal „Inkonsistenzen zwischen Antragsangaben und Dokumenten“, solche Verdachtsmomente würden den Antragstellern „mit einer Aufforderung zur Stellungnahme“ mitgeteilt.

Hinweise auf Fälschung oder Betrug führten zu einer erneuten Prüfung der betreffenden Fälle. Zudem werte das Amt „mögliche Täuschungsmuster“ aus, um die Mitarbeiter zu sensibilisieren. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat israelische und kanadische Stellen um Rechtshilfe gebeten. Inzwischen kümmert sich auch die britische Einwanderungskontrollbehörde um den Fall. Bei einem in London lebenden Beschuldigten fand im Juni eine Durchsuchung statt.

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