Ministerpräsident und Betriebsrat
„Wirklich fatal“: Deutliche Worte für VW-Chef
Aktualisiert am 25.08.2026 – 13:44 UhrLesedauer: 2 Min.
Bis zu 50.000 Stellen und vier Werke sind bedroht: Bei Volkswagen spitzt sich der Streit über die Sparpläne zu. Konzernchef Blume bekommt eine Ansage.
Nach langen Wochen der Unsicherheit mit Blick auf Sparpläne bei Volkswagen hat sich Konzernchef Oliver Blume am Morgen in Wolfsburg bei einer Betriebsversammlung den Fragen der Beschäftigten gestellt. „Unser Vertrauen in diesen Konzernvorstand, insbesondere auch in dessen Vorsitzenden Oliver Blume, ist beschädigt“, sagte Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo nach Angaben aus Teilnehmerkreisen bei der Versammlung im Stammwerk. „Noch nicht irreparabel. Aber beschädigt.“
„Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten“, sagte Cavallo demnach zudem. In dieser Woche findet eine Reihe von außerordentlichen Betriebsversammlungen statt. Im Vorfeld hatten die Beschäftigten dem Konzernvorstand eine „desaströse Kommunikation“ vorgeworfen.
- Kommentar zur VW-Krise: Willkommen in der Realität
- VW-Betriebsversammlung: „An Respektlosigkeit nicht zu überbieten“
Betriebsratschefin zerpflückt Blume-Formulierung
Der Konflikt hatte sich an möglichen Stellenstreichungen bei Volkswagen entzündet, über die im Juli zunächst Medien tagelang berichteten. Konzernchef Blume äußerte sich danach in einem im Intranet des Konzerns veröffentlichten Interview: Bei diesen Kosten habe VW im Vergleich zum Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen „einen Nachteil von rund 20 Prozent“, sagte er. „Da die Hälfte der Gemeinkosten aus den Personalkosten resultiert, würde eine theoretische Ableitung ohne Veränderung der Arbeitskosten rund 50.000 Stellen weltweit ergeben.“ Die VW-Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm stehen auf der Kippe.
Cavallo kritisierte die Formulierung „ohne Veränderung der Arbeitskosten“ als „sprachlichen Tarnumhang“. „Und wenn man den wegzieht, steht da: Liebe Beschäftigte, wenn Ihr es ab morgen für die Hälfte der Bezahlung macht, wollen wir nur 25.000 rausschmeißen“, sagte sie laut Teilnehmerkreisen.
IG-Metall-Chefin Christiane Benner hatte am Morgen gefordert, auf andere Sparmaßnahmen statt auf Personalabbau zu setzen. Die Lage der Automobilbranche sei mit Blick auf US-Zölle und die Konkurrenz aus China schwierig, räumte sie ein. „Erkennen wir die Lage an? Ja, aber wir sind der Meinung, die Beschäftigten haben ihren Beitrag geleistet, und das Management ist in der Verantwortung, Perspektiven aufzuzeigen.“
Auch die Politik geht auf Distanz
Kritik kommt auch aus der Politik: Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sieht mögliche Werksschließungen bei VW weiter kritisch. Das sei „keine Zukunftslösung“, sagte er dem Deutschlandfunk. Die Größe des Konzerns sei eine Chance, sie infrage zu stellen, „wäre wirklich fatal“. Damit stellte sich Lies gegen VW-Chef Blume, der den Konzern zuvor als „überdimensioniert“ bezeichnet hatte. Das Land Niedersachsen ist mit Anteilen an Volkswagen beteiligt und hat traditionell erheblichen Einfluss im Konzern.