„Alle haben sich totgelacht“
Beliebtes Italien-Souvenir entpuppt sich als Schwindel
Aktualisiert am 21.05.2026 – 15:38 UhrLesedauer: 2 Min.
Seit Jahren ist ein Priester-Kalender unter Italien-Touristen ein echter Verkaufsschlager. Dabei haben die meisten der Modelle wohl einen ganz anderen Job.
Seit zwei Jahrzehnten ist der Priester-Kalender ein beliebtes Souvenir aus Italien: Für jeden Monat gibt es in dem Kalender ein Foto von einem gut aussehenden jungen Mann in Soutane. Wie die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ am Montag berichtete, ist jedoch mindestens eines der Bilder Schwindel: Giovanni Galizia, der seit 23 Jahren auf dem Titel des Kalenders zu sehen ist, ist in Wirklichkeit ein Flugbegleiter aus Spanien – ein Geistlicher sei er nie gewesen.
Galizia erklärte der US-amerikanischen Nachrichtenagentur AP, dass er gerade einmal 17 Jahre alt war, als das Foto aufgenommen wurde. Ein Freund habe ihn dem Fotografen Piero Pazzi vorgestellt – Pazzi hatte in der Vergangenheit bereits einen Kalender mit Gondolieri aus Venedig zusammengestellt.
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Angesprochen auf sein mysteriöses Lächeln auf dem Coverbild wiegelte Galizia ab: „Es war das Lächeln eines verlegenen Kindes, denn ich sah, wie alle meine Freunde vor mir laut lachten, weil ich wie ein Priester gekleidet war.“
Fotograf erklärt: Mindestens ein Drittel sind echte Priester
Obwohl der Kalender seit mehr als 20 Jahren ein echter Verkaufsschlager ist, sei er noch nie auf der Straße angesprochen worden. Aber: Einer seiner Cousins habe einmal einen der Kalender gekauft und seiner Großmutter geschenkt. Galizia berichtete: „Alle haben sich totgelacht.“
Viele der Fotos in dem Kalender tauchen Jahr für Jahr wieder auf. Es ist nicht klar, wie viele der abgebildeten Männer wirklich Priester sind – wenn überhaupt. Fotograf Pazzi teilte AP mit, dass mindestens ein Drittel der Männer aus dem bereits veröffentlichten Kalender für 2027 tatsächlich Geistliche seien.
Auch Galizia nimmt den Kalender in Schutz und sieht ihn nicht als Betrug. Stattdessen seien die Kalender eher eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem erhabenen Charakter des Geistlichen. Das Label als „Sexy-Priester“ finde er auch deswegen befremdlich. Gleichzeitig nehme er das Kompliment gerne an.
AP hat auch den Vatikan um eine Stellungnahme gebeten. Von der katholischen Kirche habe es aber keinen Kommentar gegeben. Wie Galizia „La Repubblica“ erklärte, habe er für das Foto keine Bezahlung erhalten.
