Nicht nur Muskulatur, Knochen und Gelenke profitieren von der Bewegung. Auch das Gehirn wird positiv aktiviert. „Schon eine kurze Wanderung fördert die Durchblutung bestimmter Gehirnregionen. Durch die bessere Durchblutung kommt es zu einer höheren Ausschüttung von Endorphinen, was Stimmung, Glücksempfinden und Entspannung zugutekommt“, erklärt Hagemann. Zudem werden Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung gefördert und eventuelle Ängste gelöst. Und auch der Schlaf kann sich verbessern.“

Weitwandern ist wie eine lange Achtsamkeitsübung: Es bietet die Möglichkeit, im Hier und Jetzt anzukommen, im Moment zu verweilen, die Natur zu erleben und für eine längere Zeit eine gewisse Distanz zu Sorgen und Belastungen zu haben. Das baut Stress ab. „Auf den tagelangen Touren zu Fuß hat man Zeit, zur Ruhe zu kommen, sich von Problemen kognitiv abzulenken und zu sich selbst zu finden“, erklärt der Stressexperte.

Hinzu kommt: Die mit der Wanderung verbundenen Herausforderungen stärken das Selbstbewusstsein und heben die Stimmung. Viele werden mit jeder Tour mutiger und trauen sich mehr zu – was sich auch stärkend auf den Alltag übertragen kann. So ist es möglich, widerstandsfähiger gegen Stress zu werden, weniger Ängste zu empfinden, allgemein gelassener zu reagieren und achtsamer durch den Tag zu gehen.

Wie die Studienautoren der Arbeit „Stressreduktion durch Bergwandern“ betonen, kann sogar leichten und mittleren Formen der Depression durch regelmäßige Bewegung präventiv und therapeutisch begegnet werden. Die antidepressive Wirkung des Wanderns erreiche teilweise diejenige von einschlägigen Medikamenten und Therapien.

Dem stimmt auch Hagemann zu: „In der Behandlung von Depressionen wird die Wirkung von Aktivität teilweise der Wirksamkeit eines Antidepressivums gleichgesetzt. Aber nicht nur bei der Behandlung, auch bei der Prävention einer psychischen Erkrankung kann regelmäßiges Weitwandern hilfreich sein“, so der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Wandern zählt grundsätzlich zu den besonders schonenden Ausdauersportarten und kann daher auch noch im fortgeschrittenen Alter ausgeübt werden. Beim Wandern darf der Körper je nach Route intensiv gefordert – aber nicht überfordert werden. Gerade für Weitwander-Neulinge gilt daher: Schritt für Schritt an die Wanderungen heranwagen. Nur was leistbar ist, macht auch Spaß, motiviert und stärkt den Körper.

Am besten lässt man als Einsteiger einen Gesundheitscheck beim Arzt durchführen, um die eigene Belastbarkeit bestimmen zu lassen und die Route entsprechend planen zu können. Besonders empfehlenswert ist eine ärztliche Untersuchung für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Menschen mit Gelenkproblemen, stark Übergewichtige und Asthmatiker.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version