Kehrseite der Wanderlust

Besucheransturm bedroht Naturjuwel

Aktualisiert am 13.08.2025 – 18:54 UhrLesedauer: 3 Min.

Soziale Medien und Outdoor-Portale haben die Schwarzachklamm auch weit über die Region hinaus bekannt gemacht – und das sorgt zum Teil für Probleme. (Quelle: Daniel Karmann/dpa/dpa-bilder)

Die Schwarzachklamm in Bayern leidet unter massivem Besucheransturm. Schwere Belastungen der Natur zwingen die Gemeinde Schwarzenbruck zum Handeln.

Die Schwarzachklamm südöstlich von Nürnberg ist ein Naturjuwel und bei vielen Ausflüglern beliebt. Seit der Corona-Pandemie hat sich deren Zahl nach Angaben der Gemeinde Schwarzenbruck vervielfacht – und damit auch die Probleme. Diese sucht nun nach Wegen, die sensible Natur zu schützen.

Damit ist die Schlucht nur ein Beispiel unter vielen in Bayern: Die zunehmende Wanderlust trifft längst nicht mehr nur bekannte Ziele wie Zugspitze oder Königssee. Auch bisher weniger bekannte Orte werden zeitweise überrannt. Denn soziale Medien und Outdoor-Portale sorgen dafür, dass diese auch außerhalb der Region publik werden.

In der Schwarzachklamm hat sich der gleichnamige Fluss zwei Kilometer durch den Burgsandstein gegraben. Die Schlucht gehört laut dem Landesamt für Umwelt zu den schönsten Geotopen Bayerns und steht unter Naturschutz. Dennoch hielten sich zu viele Menschen nicht an die geltenden Regeln, sagt Schwarzenbrucks Bürgermeister Markus Holzammer (Freie Wähler). „Es wird an den Steilhängen geklettert, die Wege werden verlassen, Müll und Zigarettenstummel liegengelassen.“

Doch wieso interessieren sich auf einmal so viele Menschen für Orte wie die für Bayern vergleichsweise kleine Klamm? Das sei ein Phänomen, das rund um viele deutsche Großstädte zu beobachten sei, sagt Tourismusforscher Markus Pillmayer von der Hochschule München. „Die Leute wollen sich in ihrer Freizeit erholen und sportlich betätigen, sei es Wandern, Fahrradfahren, Klettern oder Ähnliches – und das findet natürlich im Umland statt.“

Dazu komme, dass viele Menschen ihre Touren je nach Laune und Wetterlage spontan planten – mithilfe von Instagram, TikTok, Outdoor-Portalen und eventuell einer regionalen Tourismus-Seite. Dabei fiel die Wahl auf eine Tour, die gefalle, oft ohne sich näher zu informieren, ob diese zu der Zeit begehbar sei und ob diese über offizielle Wege führe.

Auch das Walberla, ein Tafelberg in der Fränkischen Schweiz mit markanten Felstürmen, ist als Ausflugsziel und Fotomotiv beliebt. Eigentlich heißt das gesamte Bergmassiv Ehrenbürg.

Dort seien viele Trampelpfade neben den ausgewiesenen Wanderwegen entstanden, die Schäden regenerierten sich im Gegensatz zu früher nicht mehr über den Winter, schildert Wiehn die Situation. Die Ursache aus ihrer Sicht: Outdoor-Portale schlügen zum Teil Wanderrouten auf diesen illegalen Pfaden vor und sogar Fahrradtouren, obwohl der ganze Berg für Fahrräder gesperrt sei, sagt sie.

Es gebe an den Eingängen des Naturschutzgebiets zwar Infotafeln und im Gelände kleinere Schilder, die über die Verhaltensregeln in dem Naturschutzgebiet informierten. Aber manche Menschen würden diese übersehen oder bewusst ignorieren, sagt Wiehn. Es seien Trampelpfade sogar schon mit Flatterbändern abgesperrt worden, damit sich die Natur erhole. „Das Flatterband ist weg innerhalb kürzester Zeit. Das wird einfach durchgeschnitten oder abgerissen.“

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