
Das globale Handelsumfeld ist rauer und problematischer geworden: Marktmechanismen werden zunehmend von Zöllen, Protektionismus und Sicherheitsinteressen beeinflusst. Verlässliche Handelsbeziehungen sind in dieser volatilen Situation wichtiger denn je. Daher ist es von großer Bedeutung, dass die Europäische Union (EU) und Indien ihre Gespräche intensiviert haben, sodass nach jahrelangen Verhandlungen endlich ein Freihandelsabkommen in greifbare Nähe gerückt ist. Für Deutschland als Exportnation ist diese Entwicklung besonders relevant.
„Indien ist ein wichtiger Partner für Deutschland“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Besuch in Indien im Januar 2026. „Deutschland als bevölkerungsreichster und wirtschaftlich stärkster EU-Staat und Indien als größte Demokratie der Welt verbinden Grundwerte“, sagte Merz. Indiens Premierminister Narendra Modi sagte, der Besuch der Bundeskanzlerin habe „neuen Schwung und Vertrauen“ in die deutsch-indischen Beziehungen gebracht.
Auch deutsche Unternehmen hoffen auf neue Impulse: Eine Ausweitung des Handels mit Indien, den Mercosur-Staaten, Indonesien und anderen Ländern könnte nach Expertenschätzungen zu einem Wachstum der deutschen Wirtschaft von bis zu 0,5 Prozent führen. „Neue Handelsabkommen können die negativen Auswirkungen von Trumps Zöllen nicht nur kompensieren, sie könnten diese Kompensation sogar übertreffen“, sagte Isabella Flach vom ifo-Institut in Köln.
Hohe Erwartungen an die Geschäftswelt
Indien ist mit seinen rund 1,5 Milliarden Menschen die bevölkerungsreichste Volkswirtschaft der Welt. In puncto Wirtschaftskraft liegt das Land derzeit etwa auf Augenhöhe mit Deutschland und Japan und wird nur noch von den USA und China übertroffen. Was Indien auszeichnet, ist sein schnelles Wirtschaftswachstum von rund 6,5 Prozent. Indiens Regierung hat in den letzten Jahren umfassende Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt, Marktzugangsbarrieren für ausländische Unternehmen abgebaut und Investitionen erleichtert. Im Global Innovation Index nimmt Indien eine Spitzenposition in Zentral- und Südasien ein. Die EU gehört mittlerweile zu den wichtigsten ausländischen Investoren. Rund 6.000 europäische Unternehmen sind in Indien aktiv, darunter rund 2.000 deutsche Unternehmen.
Die Erwartungen an ein Handelsabkommen sind daher hoch. „Die Mehrheit der deutschen Wirtschaftsvertreter befürwortet ein EU-Indien-Abkommen, das einen besseren Marktzugang und einen deutlichen Abbau von Handelshemmnissen ermöglicht“, sagte Volker Treier, Hauptgeschäftsführer für Außenwirtschaft beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).
Deutsche Investoren schätzen die politische Stabilität des Landes sowie die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte bei vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten. „Die Investitionsbedingungen haben sich in den letzten Jahren verbessert, auch wenn Indien weiterhin ein komplexer Wirtschaftsstandort ist“, sagte Jan Nöther, Generaldirektor der Deutsch-Indischen Handelskammer (IGCC). „Wer seine Lieferketten diversifizieren oder neue Märkte erschließen möchte, wird an Indien aufgrund der schieren Größe des Marktes kaum vorbeikommen.“










