Berliner Nahverkehr
BVG findet Kontrollen-Warnapp „unsolidarisch“
07.08.2026 – 15:09 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine App mit 40.000 Nutzern hilft Fahrgästen, Ticketkontrollen in Berlins Bussen und Bahnen zu umgehen. Das ruft nun die Verkehrsbetriebe auf den Plan.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben die App „FreiFahren“ als unsolidarisch kritisiert. Das Programm ermöglicht es Fahrgästen, Ticketkontrollen im Berliner Nahverkehr zu melden und so anderen zu helfen, Kontrolleuren auszuweichen. Zuvor hatte die „Berliner Morgenpost“ über die App berichtet.
„Wer gezielt dazu beiträgt, das Fahren ohne gültigen Fahrausweis zu erleichtern, unterstützt aus Sicht der BVG ein unsolidarisches Verhalten, das zu Lasten unserer vielen ehrlichen Fahrgäste geht und einen hohen wirtschaftlichen Schaden verursacht“, teilte das Unternehmen mit. Den jährlichen Schaden durch Schwarzfahren beziffert die BVG auf 20 bis 25 Millionen Euro. Hinweise darauf, dass die App die Zahl der erwischten Schwarzfahrer bereits gesenkt hat, gibt es laut BVG bisher nicht.
Tausende landen laut Entwickler im Gefängnis
Mit „FreiFahren“ können Nutzer melden, wo und wann sie Ticketkontrolleuren begegnen. Wer kein gültiges Ticket hat, kann die betreffende Linie dann meiden. App-Entwickler Johan Trieloff zufolge nutzen rund 40.000 Menschen das Programm regelmäßig.
Trieloff erklärte der „taz“, die Idee sei entstanden, nachdem er von den Tausenden Menschen gelesen habe, die jedes Jahr in einem deutschen Gefängnis säßen, weil sie ohne Ticket im Nahverkehr gefahren seien. „Das sind meist Menschen, die unter sehr prekären Umständen leben und in deren Leben viel schiefgelaufen ist“, sagte er. Eigentlich müsste der Staat ihnen helfen. „Stattdessen errichtet er ein Kontrollregime im Nahverkehr, mit dem sie aktiv gejagt werden“, so Trieloff.
Schwarzfahren ist in Deutschland eine Straftat. Wer ohne Fahrschein erwischt wird, zahlt in der Regel ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 60 Euro. Wer diesen Betrag nicht begleichen kann oder besonders häufig ohne Ticket angetroffen wird, kann im Wiederholungsfall im Gefängnis landen.
