Software-Pionierin
Apollo-Programmiererin Margaret Hamilton ist tot
08.10.2026 – 02:32 UhrLesedauer: 2 Min.
Sie arbeitete für die Apollo-Missionen der Nasa und bekam sogar eine Lego-Figur. Im Alter von 90 Jahren starb Margaret Hamilton in Cambridge.
Die 90-jährige Softwarepionierin Margaret Hamilton ist tot. Die Amerikanerin führte einst das Team, das die Software für Apollo-Missionen der Nasa schrieb. Sie sei bereits am 30. September in Cambridge gestorben, teilte die Familie der „New York Times“ mit.
Hamiltons Weg in die Raumfahrt begann Anfang der 1960er-Jahre am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in einem Computerlabor. Eigentlich wollte sie mit dem Job das Jurastudium ihres Mannes finanzieren. Als sie erfuhr, dass das MIT Bordcomputer für die geplante Mondmission entwickeln wollte, schloss sie sich dem Team an.
1965 wurde Hamilton als erste Frau als Programmiererin für das Apollo-Projekt eingestellt. Ihre Fähigkeiten überzeugten die Nasa-Ingenieure so sehr, dass sie schließlich zur Direktorin des Software-Engineerings aufstieg. Unter ihrer Leitung entwickelte das 100-köpfige Team zwei Bordcomputer für die Apollo-Flüge – jeweils rund 32 Kilogramm schwer: einen im Kommandomodul, das die Astronauten von der Erde transportierte, und einen weiteren in der Mondlandefähre, die auf der Mondoberfläche aufsetzte.

Hamilton, die ab und an ihre Tochter mit ins Büro brachte, gilt als Schöpferin des Begriffs „Software Engineering“ (Softwareentwicklung), um zu zeigen, wie komplex ihre Arbeit war. 1969 wurde Hamilton vom Kontrollzentrum der Nasa in Houston angerufen. Das Apollo-11-Modul „Eagle“ war auf dem Weg zur Mondlandung. Doch kurz vor dem Aufsetzen gab es Alarmmeldungen vom Bordcomputer.
Hamilton ahnte Apollo-Panne voraus
Die Nasa erwog einen Abbruch der Mission. Offenbar hatte einer der Astronauten einen Schalter umgelegt, was zu einer Überlastung des Prozessors führte. Doch wie die „New York Times“ berichtet, hatten Hamilton und ihr Team eine solche Panne vorausgesehen. Der Alarm war das Zeichen dafür, dass der Computer wie geplant wichtige Aufgaben priorisierte – die Landung konnte durchgeführt werden.
„Hätte der Computer dieses Problem nicht erkannt und Abhilfemaßnahmen ergriffen, bezweifle ich, dass die Apollo-11-Mission zu der erfolgreichen Mondlandung geworden wäre, die sie war“, schrieb Frau Hamilton 1971 in einem Brief an die Computerzeitschrift „Datamation“.
Hamilton arbeitete an den sechs Mondlandungsmissionen von 1969 bis 1972. Ihre Programmierarbeit trug außerdem zu Skylab bei, Amerikas erster Raumstation, die 1973 gestartet wurde, sowie zum frühen Entwurf des Space Shuttle. 1976 verließ sie das MIT, um die Firma Higher Order Software zu gründen, sowie ein Jahrzehnt später ein zweites Unternehmen: Hamilton Technologies. Sie wurde sogar vom Spielzeugkonzern Lego mit einer eigenen Figur geehrt.
Im Jahr 2016 verlieh Präsident Barack Obama Ms. Hamilton die Presidential Medal of Freedom. In der Begründung heißt es, ihre Arbeit für die Nasa habe „das Fundament für modernes, hochzuverlässiges Software-Design und -Engineering gelegt“.