„Alles in Richtung einer Verurteilung“

Mordfall Fabian: Anwalt von Gina H. macht Andeutung


Aktualisiert am 25.09.2026 – 16:47 UhrLesedauer: 2 Min.

Der achtjährige Fabian aus Güstrow (Archivbild): Gina H. soll ihn mit sechs Messerstichen getötet haben. (Quelle: Polizei)

Mit ihrer Aussage vor Gericht warf Gina H. im Mordfall Fabian viele Fragen auf und konnte diese teilweise nicht schlüssig beantworten. Jetzt kommt heraus: Einer ihrer Anwälte war gegen die Einlassung.

Seit Ende April läuft im Fall des getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow der Mordprozess gegen Gina H. vor dem Landgericht Rostock. Nun hat einer ihrer Verteidiger, Andreas Ohm, über ein mögliches Urteil gesprochen. „Sie hofft natürlich, dass sich mit dem Urteil alles aufklärt und sie freigesprochen wird. Aber ich habe ihr schon vor einigen Wochen gesagt, dass derzeit alles in Richtung einer Verurteilung läuft“, sagte Ohm in einem Interview mit dem „Stern“.

Seiner Mandantin, der 30-jährigen Gina H., wird vorgeworfen, den kleinen Jungen am 10. Oktober vorigen Jahres mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend angezündet zu haben. Sie selbst bestreitet die Tat, es gilt die Unschuldsvermutung.

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Großes Aufsehen hatte am 22. Prozesstag Ende August eine 95-seitige von der Angeklagten verlesene Einlassung erregt, in der sie eine Beteiligung an dem Mord zurückwies und stattdessen wichtige Zeugen beschuldigte. Wochen später beantwortete die 30-Jährige an zwei Tagen Fragen der Richter, Staatsanwälte und der Nebenklage – mehrfach verstrickte sie sich dabei in Widersprüche.

Die Angeklagte Gina H. spricht mit ihren Anwälten Andreas Ohm (l.) und Thomas Löcker. (Quelle: Jens Büttner/dpa)

Prozess im Fall Fabian: Anwalt war vor Aussage „skeptisch“

Verteidiger Ohm sagte nun in dem „Stern“-Interview zu der Einlassung, diese habe „nicht auf meinem innigsten Wunsch“ beruht. Die Ankündigung, dass die Angeklagte aussagen werde, sei von seinem Kollegen gekommen. Gina H. hat zwei Verteidiger, neben Ohm den Rostocker Rechtsanwalt Thomas Löcker. Ohm räumte ein: „Ich war skeptisch, habe aber den Wunsch der Angeklagten auch nicht weiter negiert. Ich habe ihr nur mehrfach gesagt, dass ich es nicht für eine besonders gute Idee halte.“

Auch wenn Ohm betonte, er finde, Gina H. habe Einlassung und anschließende Befragung „gut gemacht“, räumte er zugleich ein, dass Widersprüche zum Problem für die Angeklagte werden könnten. „Und solche Widersprüche will das Gericht, wenn ich die Äußerung des Vorsitzenden richtig verstanden habe, erkannt haben“, ergänzte Ohm.

Der Prozess im Fall Fabian biegt im Oktober auf die Zielgeraden ein. Insgesamt sind noch fünf Prozesstage angesetzt, am 5. Oktober, 8. Oktober, 29. Oktober, 30. Oktober sowie am 10. November. Anfang Oktober könnte der psychiatrische Gutachter seine Erkenntnisse über Gina H. präsentieren. Sollte die Beweisaufnahme damit geschlossen werden, stünden dann nur noch die Plädoyers, gegebenenfalls das letzte Wort der Angeklagten sowie das Urteil an. Im Falle eines Mordurteils droht Gina H. die Höchststrafe: lebenslange Haft.

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