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Das große KI-Unternehmen Anthropic prüft eine mögliche Partnerschaft mit dem britischen Halbleiterunternehmen Fractile, um eine stetige Versorgung mit Chips für kundenspezifische Inferenzen sicherzustellen und die erheblichen Gemeinkosten zu reduzieren, die mit aktuellen Halbleiterlösungen verbunden sind.
Berichten zufolge stellen diese Gespräche eine strategische Anstrengung des in San Francisco ansässigen Unternehmens dar, seine Abhängigkeit von Nvidia zu verringern und gleichzeitig die Geschwindigkeit und Effizienz seiner Modelle der aktuellen und nächsten Generation zu verbessern.
Da die weltweite Nachfrage nach generativer KI-Kapazität weiter steigt, ist die finanzielle Belastung durch die für den Betrieb dieser Systeme erforderliche Hardware zu einer Haupthürde für Entwickler geworden.
Anthropic, das sowohl von Amazon als auch von Google Milliarden-Dollar-Investitionen erhalten hat, verlässt sich derzeit stark auf die H100-Geräte von Nvidia sowie auf kundenspezifische Prozessoren seiner Cloud-Partner.
Der hohe Marktpreis und die begrenzte Verfügbarkeit dieser branchenüblichen Chips haben jedoch die Gewinnmargen gedrückt und Unternehmen dazu veranlasst, sich anderswo umzusehen.
Laut Branchenanalysten könnte ein Deal mit einem spezialisierten Unternehmen wie Fractile es Anthropic ermöglichen, eine größere Kontrolle über seine technische Infrastruktur auszuüben.
Diese Strategie spiegelt einen breiteren Trend unter Technologiegiganten wider, darunter Microsoft und Meta, die sich zunehmend von Allzweckchips zugunsten interner oder Boutique-Designs abwenden.
Ein Wandel in der Speicherarchitektur und ein Aufschwung für die britische Technologie
Fractile wurde 2022 von Walter Goodwin, Ph.D. aus Oxford, gegründet und hat durch seinen unkonventionellen Ansatz beim Prozessordesign große Aufmerksamkeit erlangt.
Im Gegensatz zu Standardchips, die ständig Daten zwischen dem Prozessor und separaten Speichermodulen übertragen müssen, speichert die „Memory-Compute-Fusion“-Architektur von Fractile Daten mithilfe eines statischen Direktzugriffsspeichers (SRAM), der nicht aktualisiert werden muss, direkt auf dem Chip.
Laut dem britischen Start-up können mit dieser Methode große Sprachmodelle bis zu hundertmal schneller ausgeführt werden als mit vorhandener Hardware und gleichzeitig die Betriebskosten um 90 % gesenkt werden.
Obwohl diese Leistungsansprüche beeindruckend sind, befindet sich die Technologie noch in der Entwicklungsphase.
Fractile hat noch kein kommerzielles Produkt auf den Markt gebracht und seine Spezialchips werden voraussichtlich erst 2027 für den vollständigen Einsatz in Rechenzentren bereit sein.
Trotz des langen Zeitplans befindet sich das Start-up Berichten zufolge in Verhandlungen über die Beschaffung von 200 Millionen US-Dollar (170,5 Millionen Euro) an Finanzmitteln mit einem Wert von über 1 Milliarde US-Dollar (853 Millionen Euro).
Die potenzielle Partnerschaft unterstreicht die wachsende Bedeutung des britischen Halbleitersektors auf der Weltbühne. Wenn eine formelle Einigung erzielt wird, könnte Fractile neben Nvidia, Google und Amazon zum vierten großen Chiplieferanten von Anthropic werden.
Marktberichten zufolge befinden sich die Gespräche noch in einem frühen Stadium und es wurde kein verbindlicher Vertrag unterzeichnet.
Das Interesse eines großen Players wie Anthropic legt jedoch nahe, dass im KI-Wettbewerb die Fähigkeit, schnellere und günstigere Rechenleistung bereitzustellen, der entscheidende Faktor ist.
