Zu viel Gier, zu wenig Geduld
Die teuersten Fehler bei der Geldanlage
Aktualisiert am 23.08.2026 – 16:23 UhrLesedauer: 4 Min.

Nicht der Markt ist für viele Anleger der größte Gegner, sondern das eigene Verhalten. Wer diese typischen Fehler vermeidet, hat langfristig die besseren Karten.
Geld anlegen war noch nie so einfach wie heute: Depot eröffnen, zweimal klicken, und schon landet eine Aktie im Portfolio oder umgekehrt, fliegt aus dem Depot hinaus. Die passenden Kauf- oder Verkaufsgründe liefern Apps, Analysten oder Social-Media-Kanäle gleich mit. Dort klingt Investieren oft kinderleicht: einfach den nächsten großen Trend kaufen und vom Boom profitieren.
Die Realität sieht jedoch häufig anders aus. Vielleicht entwickeln sich zwei Investments gut, fünf andere dagegen enttäuschen. Am Ende bleibt oft eine Rendite, die deutlich hinter der des Marktes zurückbleibt. Doch nicht die falsche Geldanlage ist oft das größte Problem, sondern die falsche Entscheidung im falschen Moment. Diese Fehler machen Anleger immer wieder – und sie ließen sich ganz einfach vermeiden.
Studien zeigen: Anleger bleiben oft hinter dem Markt zurück
Regelmäßige Untersuchungen des unabhängigen Finanzforschungsunternehmens Dalbar aus Massachusetts, USA, zeigen, dass vor allem emotionale Entscheidungen die Rendite vieler Privatanleger schmälern. Die sogenannte QAIB-Analyse („Quantitative Analysis of Investor Behavior“) vergleicht nicht nur die Entwicklung eines Marktes, sondern misst, welche Rendite Anleger nach ihren tatsächlichen Kauf- und Verkaufsentscheidungen erzielen. Berücksichtigt werden unter anderem Dividenden, Zinsen, Handelskosten, Gebühren und Steuern.
Die Ergebnisse sind eindeutig:
- Privatanleger mit Einzelaktien erzielen im Schnitt eine um 1,11 bis 4,5 Prozentpunkte niedrigere Rendite als der Markt.
- Wer einen weltweit gestreuten ETF konsequent hält, erreicht nahezu die Marktrendite. Tatsächlich verkaufen viele Anleger ihre Fonds jedoch bereits nach weniger als vier Jahren und bleiben deshalb hinter dem Markt zurück.
- Anleger in Aktienfonds erzielten laut Dalbar in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich rund 9,8 Prozent Rendite pro Jahr. Der S&P 500 kam im selben Zeitraum auf etwa 13 Prozent jährlich.
- Anleger in Mischfonds mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen erreichten etwa vier Prozent statt einer theoretischen Marktrendite von rund acht Prozent.
- Gold dient vielen Anlegern als Kriseninvestment. Häufig wird jedoch erst nach starken Kursanstiegen gekauft, was die langfristige Rendite schmälert.
- Auch bei Kryptowährungen zeigen sich ähnliche Muster: Trotz hoher langfristiger Kursgewinne vieler Kryptowährungen verlieren zahlreiche Privatanleger Geld, weil sie nach starken Kursanstiegen einsteigen und nach heftigen Rückgängen mit Verlust verkaufen.
Wenn die Angst, etwas zu verpassen, teuer wird
Ein häufiger Fehler, dem Anlegerinnen und Anleger unterliegen, heißt Fomo – „Fear of Missing Out“, also die Angst, eine Chance zu verpassen. Viele Anleger kaufen erst dann, wenn Kurse bereits stark gestiegen sind. Früher waren es Wasserstoff- oder Cannabis-Aktien und ETFs, später Kryptowährungen, heute sind es häufig Unternehmen aus dem KI-Bereich.
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Das Problem: Während viele Anleger erst einsteigen, wenn die Kurse schon gestiegen sind, nehmen frühe Investoren oft bereits Gewinne mit. Aktienexperte Tobias Krieg vom Lynx Broker empfiehlt deshalb, Trends nicht wegen der Schlagzeilen zu kaufen. Stattdessen sollten Anleger einer klaren Anlagestrategie folgen und neue Trends erst nach einer gründlichen Analyse und bei angemessener Bewertung berücksichtigen.
Warum der perfekte Einstiegszeitpunkt meist eine Illusion bleibt
Viele Anleger versuchen, den idealen Zeitpunkt für den Kauf oder Verkauf zu treffen. Dieses sogenannte Markttiming ist jedoch häufig kontraproduktiv, erklärt Dominik Mayr vom Onlinebroker Freedom24. Selbst wenn ein perfekter Ein- oder Ausstieg einmal gelingt, lässt sich dieser Erfolg kaum dauerhaft wiederholen.