Niedrige Pegelstände haben Folgen
Sommerdürre setzt die Autoindustrie unter Druck
05.08.2026 – 11:23 UhrLesedauer: 3 Min.
Die anhaltende Trockenheit hat inzwischen Folgen für die Autoindustrie. Sie bringt nicht nur Fabriken unter Druck, sondern erschwert auch den Transport von Fahrzeugen und Bauteilen.
Was Landwirte, Schifffahrt und Energieversorger schon seit Wochen beschäftigt, bekommt nun auch die europäische Autoindustrie zu spüren. Die niedrigen Pegelstände in den Flüssen beeinträchtigen die Stromversorgung wichtiger Produktionsstandorte und bremsen zugleich den Transport über Wasser. Erste Hersteller reagieren bereits mit Produktionsstopps oder Stromsparmaßnahmen.
Besonders angespannt ist die Lage in Rumänien. Dort hat der Autobauer Dacia die Produktion in seinen Werken bis zum 19. August eingestellt. Nach Angaben des Magazins „Auto Motor und Sport“, das sich unter anderem auf Berichte des „Handelsblatts“ beruft, folgt das Unternehmen damit einem Aufruf der Regierung, den Stromverbrauch vorübergehend zu senken.

Weil dem Atomkraftwerk Cernavodă aufgrund der niedrigen Pegelstände der Donau Kühlwasser fehlt, musste der Betreiber Nuclearelectrica einen der beiden Reaktoren abschalten. Das Kraftwerk deckt normalerweise rund ein Fünftel des rumänischen Strombedarfs. Der Ausfall verschärft die Energieversorgungslage des Landes erheblich und macht umfangreiche Stromimporte erforderlich.
BMW senkt Stromverbrauch in ungarischem Werk

Auch im Nachbarland Ungarn macht sich die Trockenheit bemerkbar. Das Atomkraftwerk Paks, das üblicherweise etwa die Hälfte des ungarischen Stroms liefert, arbeitet wegen des niedrigen Donaupegels nur noch mit einem Bruchteil seiner üblichen Leistung. BMW hat darauf nach Angaben der „Welt“ reagiert und den Stromverbrauch im neuen Werk in Debrecen seit Ende vergangener Woche um rund 15 Prozent gesenkt. Das Unternehmen nutzt dafür unter anderem Einsparungen bei Beleuchtung, Klimatechnik und Ladeinfrastruktur.
Hitze wird zum Kostenfaktor
Hitzewellen belasten die Wirtschaft zunehmend. Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens Prognos entstehen Unternehmen in Deutschland an Tagen mit mehr als 30 Grad direkte Kosten von über 430 Millionen Euro – vor allem durch Produktionsausfälle. Auch die Autobranche ist betroffen. Für Autohäuser und Werkstätten beziffert Prognos die Zusatzkosten auf rund 40 Millionen Euro pro Hitzetag. Als Ursachen gelten unter anderem sinkende Produktivität sowie Maschinen, die bei hohen Temperaturen nur eingeschränkt arbeiten.
Mercedes-Benz meldet aus seinem Werk im ungarischen Kecskemét bislang keine Einschränkungen der Produktion. Der Hersteller erklärte jedoch, die Entwicklung genau zu beobachten und die Stromversorgung des Standorts sicherstellen zu wollen. Einige Hersteller befinden sich derzeit allerdings ohnehin in den Sommer-Werksferien. Ford pausiert seine Produktion in Rumänien noch bis zum 19. August, nach Unternehmensangaben unabhängig von der aktuellen Stromknappheit. Auch Mercedes hat für sein Werk eine mehrwöchige Produktionspause eingeplant.
Osteuropa hat in der jüngsten Vergangenheit für die europäische Autoindustrie deutlich an Bedeutung gewonnen. BMW produziert den neuen iX3 im ungarischen Debrecen, Mercedes hat sein Werk in Kecskemét erst vor Kurzem für mehr als eine Milliarde Euro erweitert und baut unter anderem den aktuellen CLA dort. Hinzu kommen große Audi-Standorte sowie zahlreiche Zulieferer, die ihre Produktion in der Region ausgebaut haben.
