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Politik

Anfang vom Ende der DDR? Der Flammentod des Oskar Brüsewitz

wochentlich.deBy wochentlich.de17 August 2026Keine Kommentare3 Mins Read
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Geschichte

Anfang vom Ende der DDR? Der Flammentod des Oskar Brüsewitz

Aktualisiert am 17.08.2026 – 09:36 UhrLesedauer: 4 Min.

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Einige Tage nach der Selbstverbrennung des Geistlichen zog seine Beisetzung Hunderte von Menschen an. (Archivbild) (Quelle: picture-alliance / dpa/dpa-bilder)

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Die fatale Protestaktion eines unliebsamen Dorfpfarrers erschütterte 1976 die DDR. Manche sehen eine direkte Linie zum Zusammenbruch des SED-Regimes mehr als ein Jahrzehnt später.

Am Morgen des 18. August 1976 soll Oskar Brüsewitz noch einmal langstielige Rosen im Garten seines Pfarrhauses in Rippicha in Sachsen-Anhalt geschnitten und in einer Vase ins Treppenhaus gestellt haben. Dann bat er, so wurde es später kolportiert, seine Frau um ein besonders gutes Frühstück, ließ seine Tochter sein Lieblingslied auf dem Klavier spielen. Eine Stunde später fuhr der 47-jährige Pastor mit Plakaten gegen den SED-Staat vor die Michaeliskirche in Zeitz, übergoss sein Talar mit Benzin und steckte sich in Brand.

50 Jahre später gilt diese fatale Protestaktion einigen als der Anfang vom Ende der DDR. „Oskar Brüsewitz war ein Vorbote des Systemwechsels“, sagte Manfred Stolpe, zu DDR-Zeiten Kirchenfunktionär und später brandenburgischer Ministerpräsident, einige Jahre vor seinem Tod der „Welt“. „1976 war er allein und entschied sich für die Selbstverbrennung als schärfste öffentliche Demonstration. 1989 waren Millionen unterwegs, um mit öffentlichen Demonstrationen den Umbruch für die Freiheit zu erzwingen.“

„Tat nicht verklären“

Brüsewitz wollte ein politisches Zeichen setzen, soviel ist unumstritten. Trotzdem bleibt er auch Jahrzehnte später ein Rätsel. „Was ihn letztlich bewogen hat, mit seinem Flammentod predigen zu wollen, kann niemand mit Gewissheit sagen“, schrieb im Rückblick die Pfarrerin Ursula Meckel, die mit Brüsewitz befreundet war. „Eine Selbstverbrennung ist eine schreckliche und tragische Tat. Sie darf nicht verklärt werden.“ Doch wolle sie Brüsewitz nicht einfach aburteilen: „Er fühlte sich von Gott gerufen, nicht zu schweigen.“

Oskar BrüsewitzVergrößern des Bildes
Oskar Brüsewitz war nach Erinnerung von Bekannten ein charismatischer Seelsorger, der Konflikten nicht aus dem Weg ging. (Archivbild) (Quelle: —/dpa/dpa-bilder)

Brüsewitz, geboren 1929, war Schuhmacher im sächsischen Chemnitz und zeitweise in Westdeutschland. Nach einer gescheiterten ersten Ehe heiratete er in die DDR 1955 ein zweites Mal: die Diakonisse Christa Roland. Brüsewitz ließ sich taufen in einem Staat, der die Kirche für überflüssig erklären wollte. „Er scheute keinen Konflikt“, schreibt die Autorin Kathrin Mileta in einer kurzen Biografie. „Deshalb wurde er schon 1956 aufgrund systemkritischer Äußerungen, vom Ministerium für Staatssicherheit beobachtet.“

„Der Störenfried“

Der Schuhmacher ließ sich von 1964 bis 1969 in der Predigerschule in Erfurt zum Pfarrer ausbilden und wurde Seelsorger in Rippicha. Seine spätere Kollegin Meckel beschreibt ihn als charismatischen Mann, hilfsbereit und gradlinig. Aber Brüsewitz war eben auch der „Störenfried“ – so nannte später der Regisseur Thomas Frickel einen Film über ihn.

Brüsewitz pflanzte ein Kreuz aus Neonröhren auf seine Kirche. Er konterte Plakate mit dem Slogan „25 Jahre DDR“ mit dem Spruch „2.000 Jahre unbesiegbare Kirche Jesu Christi“. Als die SED die Losung ausgab „Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein“, dichtete Brüsewitz: „Ohne Regen, ohne Gott, geht die ganze Welt bankrott.“ Meckel meint: „Ein wenig erinnerte manches an Don Camillo und Peppone – allerdings fehlte den Beteiligten auf der anderen Seite meist der Humor.“

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