VW steckt im Umbruch und will wieder mehr zu sich selbst finden. Markenstrategin und Chefdesigner erklären, was das für künftige Modelle bedeutet.
Der Empfang am verabredeten Treffpunkt am VW-Werkstor in Wolfsburg-Sandkamp verläuft holprig. „Wir lassen jetzt niemanden rein, es ist Betriebsversammlung“, sagt der Wachschutz mit strengem Blick. Selbst der zuständige Pressesprecher kommt nicht weiter, die Wachleute bleiben hart. Dass bei solchen Veranstaltungen keine Zaungäste erwünscht sind, ist nachvollziehbar: VW steckt in einem gewaltigen Umbruch – Überkapazitäten, schwierige Geschäfte vor allem in China sowie Diskussionen über Werksschließungen treffen auf eine der größten Modelloffensiven der vergangenen Jahre mit ID. Polo samt GTI, ID.3-Facelift und ID. Cross.
Die Marke VW will sich neu erfinden – mit neuer Designsprache, klareren Botschaften und Ansprachen der Kunden. Dafür verantwortlich sind unter anderem Christine Wolburg, Chief Brand Officer, und Chefdesigner Andreas Mindt. Das Interview wird wegen der Betriebsversammlung kurzerhand in Wolburgs Büro ins wenige Kilometer entfernte Fallersleben verlegt.
t-online: Herr Mindt, Frau Wolburg, bei Volkswagen fällt gerade oft der Satz: „Wir wollen wieder mehr Volkswagen sein.“ Was heißt das konkret?
Andreas Mindt: In Transformationsphasen kann man schon mal aus dem Blick verlieren, wer man eigentlich ist. Gerade beim Wechsel vom Verbrenner zum Elektroauto wollten plötzlich alle alles anders machen. Da läuft man schnell Trends hinterher, die modern wirken, aber vielleicht gar nicht zur Marke passen.
Christine Wolburg: Deshalb haben wir für Volkswagen sehr klar definiert, wofür die Marke steht: Vertrauen, Qualität, Sicherheit, Verlässlichkeit und einfache Bedienung. Das klingt erst mal selbstverständlich, ist aber gerade in Zeiten großer technischer Veränderungen für viele Menschen besonders wichtig. Ein Volkswagen soll sich nicht kompliziert oder überfordernd anfühlen, sondern vertraut, und begeistern.

Das ist Christine Wolburg
Die Managerin ist seit April 2025 Chief Brand Officer der Marke Volkswagen. Zuvor arbeitete sie unter anderem für Mercedes-Benz und Smart und war Vertriebs- und Marketingchefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Dort führte sie unter anderem die viel beachtete Kampagne „Weil wir dich lieben“ weiter. Bei Volkswagen soll sie die Marke weltweit schärfer positionieren.
Erstes Auto: Volkswagen Golf II in Tornadorot.
Volkswagen spricht jetzt viel über echte Tasten und einfachere Bedienung, die sich die Kunden wünschen. Eigenschaften, für die VW früher bekannt war, die aber in den vergangenen Jahren etwas abhandengekommen sind. Klingt so, als hätten sie denen lange zu wenig zugehört?
Mindt: Am Anfang der Elektromobilität haben wir erst einmal die sogenannten Early Adopter abgeholt. Also diejenigen, die neue Dinge ausprobieren möchten. Aber irgendwann muss man auch den Mainstream ansprechen. Und diese Leute wollen kein Auto studieren müssen.

Wolburg: Der Volumenmarkt erwartet von Volkswagen wieder stärker das, wofür die Marke immer stand. Deshalb bringen wir zum Beispiel auch wieder mehr physische Tasten zurück. Viele Kunden haben uns sehr klar gesagt, dass sie bestimmte Dinge direkt bedienen wollen – ohne Untermenüs, ohne Ablenkung und ohne erst darüber nachdenken zu müssen.
