Auch Matthias Reim gehört zu den prominenten Namen, die seit Jahren fehlen. Sein letzter Auftritt liegt sogar noch länger zurück. Bereits 2014 stand er letztmals auf der Bühne des „Fernsehgartens“. Zu t-online hatte der Musiker die Gründe für seinen Rückzug bereits früher erläutert. Er wolle seine Songs nicht „zwischen Kochnischen und Akrobaten bei strahlendem Sonnenschein“ präsentieren.

Andere Fälle entwickelten sich zu offenen Konflikten. Roberto Blanco kritisierte einst veränderte Vertragsbedingungen beim ZDF. Pietro Lombardi kündigte nach einem Streit über seine Kopfbedeckung an, nie wieder im „Fernsehgarten“ auftreten zu wollen.

Inzwischen betrifft die Entwicklung offenbar nicht mehr nur etablierte Stars. Aufmerksamkeit produzierte vergangenes Jahr auch die Absage des ESC-Duos Abor & Tynna. Andrea Kiewel machte die Ablehnung öffentlich und erklärte in einer Sendung, das Geschwisterpaar sehe sich „im ‚Fernsehgarten‘ nicht“, was sie persönlich „zum Kotzen“ fand.

„Das müssen Sie die Künstler fragen“

Gerade darin zeigt sich das Spannungsfeld, in dem sich der „Fernsehgarten“ inzwischen bewegt. Einerseits erreicht die Sendung weiterhin ein Millionenpublikum und zählt zu den erfolgreichsten Sommerformaten im deutschen Fernsehen. Andererseits scheint das Format für manche Künstler nicht mehr zum eigenen Image zu passen.

Kiewel selbst vermeidet es allerdings, darüber zu urteilen. Warum manche Künstler häufig kommen und andere fernbleiben, wolle sie nicht bewerten. „Das müssen Sie die Künstler fragen“, sagt sie.

An der Gage liegt es nicht. Weder im positiven noch im negativen Sinne. Für einen Auftritt im „Fernsehgarten“ soll es pro Auftritt eine Aufwandsentschädigung von 750 Euro geben – also für große Künstler nicht der Rede wert. Auf das Geld komme es nicht an, versichern namhafte Stars auf Nachfrage. Vielmehr gehe es um die Promotion, den Werbeeffekt und damit die Möglichkeit, das eigene Schaffen einer breiten Zielgruppe zu präsentieren.

Abor & Tynna wollen nicht im „Fernsehgarten“ zu sehen sein. (Quelle: Dominik Friess/Sony/Katrin Brauer PR/dpa)

Dennoch deutet vieles darauf hin, dass sich die Mechanismen der Musikbranche verändert haben. Früher galten große Fernsehsendungen als zentrale Plattform für Reichweite. Heute erreichen viele Musiker ihr Publikum direkt über soziale Netzwerke, Streamingplattformen oder eigene Konzerttourneen.

Besonders jüngere Acts setzen stärker auf digitale Sichtbarkeit als auf klassische TV-Präsenz. Gleichzeitig verändert sich auch die öffentliche Wahrnehmung bestimmter Formate. Der „Fernsehgarten“ steht seit Jahren für eine sehr eigene Mischung aus Schlagermusik, Unterhaltung, Spielen und Sommeratmosphäre – für manche Künstler offenbar ein Umfeld, mit dem sie sich nicht identifizieren möchten.

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