Ein Investment in den Dax sieht seit Jahresbeginn langweilig aus. Woanders aber hatte man gerade die beste Phase seit der Pandemie.

Wer in den ersten vier Monaten dieses Jahres an den Aktienmärkten viel Geld verdienen wollte, musste um die heimischen Indizes einen weiten Bogen machen. Während der Dax sich so agil wie eine Schildkröte im Winterschlaf präsentierte und seit Neujahr faktisch unverändert blieb, feierten die US-Börsen seit Ende März ein beeindruckendes Comeback. „S&P 500 und der Nasdaq 100 legten im April den stärksten Monatsanstieg seit der Corona-Erholungsrallye 2020 hin“, erklären die Experten vom Lynx-Broker.

Die Wall Street verteilt also erneut Vorschusslorbeeren im großen Stil. Zwischen Preis und Wert einer Sache klafft an der Börse aber manchmal eine Lücke, die man nur sieht, wenn man das Kleingedruckte liest. Vor wenigen Wochen lagen die Erwartungen für das Gewinnwachstum der S&P-500-Firmen noch bei sportlichen 15 Prozent. Nachdem die Tech-Riesen nun ihre Bücher geöffnet haben, sprang diese Rate nach Angaben von Factset auf satte 27 Prozent – das wäre das stärkste Wachstum seit Ende 2021.

Drei Schwergewichte bestimmen die Rally

Die Hauptdarsteller der Rally sind schnell ausgemacht: „Alphabet, Amazon und Meta – diese drei Schwergewichte stemmten allein 70 Prozent des gesamten Gewinnzuwachses im Index“, so Lars Reichel von der Börse München. Kein Wunder, dass die hauseigenen Risiko-Indikatoren im April im Gegensatz zum März weitaus optimistischer aussahen.

Daniel Saurenz von Feingold Research begleitet Sie als Experte durch das Börsengeschehen. (Quelle: Goldlicht Fotografie)

Zur Person

Daniel Saurenz ist Gründer von Feingold Research und bietet mit seinem Team seinen seit 2010 etablierten Börsenbrief an. Sein Fokus liegt auf Vermögensaufbau und aktivem Trading an der Börse. Den Börsenbrief finden Sie auf www.feingoldresearch.de und auf www.instagram.com/saurenz_finance.
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„Besonders Alphabet sorgte für Schnappatmung mit einer Gewinnüberraschung von über 90 Prozent“, so Thomas Soltau vom Smartbroker zur Aktie, die bei den Smartbroker-Kunden seit Jahresbeginn stets unter den Top 10 dabei ist. Von dem Mega-Gewinn stammten stolze 38 Milliarden Dollar aus sogenannten nicht realisierten Kursgewinnen. Das Geld ist rechnerisch da, aber es ist nicht durch das Kerngeschäft, also den Verkauf von Anzeigen oder Cloud-Diensten, in die Kasse geflossen. Es ist ein wertvoller Schatz, dessen Wert morgen schon wieder schwanken kann.

Auch Amazon profitierte mit 17 Milliarden Dollar von der Neubewertung seiner Anthropic- Anteile, während Meta einen steuerlichen Ertrag von 8 Milliarden Dollar einstrich.

Energiesektor schwimmt im Geld

Interessanterweise lässt sich die Börse davon kaum beirren. Normalerweise verhält es sich mit Analystenschätzungen wie mit Neujahrsvorsätzen: Zu Beginn des Quartals ist man euphorisch, doch schon nach vier Wochen schraubt man die Erwartungen heimlich wieder nach unten. Im Schnitt sinken die Prognosen im ersten Monat eines Quartals um bis zu 1,9 Prozent. Nicht so im April 2026. Trotz Sorgen um Ölpreise und Inflation haben die Experten ihre Prognosen für das zweite Quartal um gut 2 Prozent nach oben korrigiert – der stärkste Anstieg seit dem Post-Corona-Boom.

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