Altkanzlerin
Merkel äußert sich zum „Männermörderin“-Vorwurf
Aktualisiert am 14.05.2026 – 09:58 UhrLesedauer: 3 Min.
Aufgrund ihres damaligen Machtkampfes mit dem heutigen Kanzler Friedrich Merz wird Angela Merkel teils als „Männermörderin“ betitelt. Nun erklärt sich die Altkanzlerin.
Angela Merkel hält nicht viel von dem Vorwurf, sie habe männliche Konkurrenten in ihrer Karriere systematisch verdrängt. Angesprochen auf das Etikett der „männermordenden Merkel“, entgegnete sie gegenüber dem „Focus“: „Männer werfen andauernd Männer aus der Bahn. Und wenn jetzt eine Frau das tut, den Weg zu einer Position für sich genauso beansprucht wie ein Mann, dann redet man von der ‚männermordenden Merkel‘.“
Dieser Vorwurf sei aber „haltlos“ und „absurd“, sagte Merkel weiter. Er sei ein Beleg dafür, dass es zum damaligen Zeitpunkt noch keine Erfahrung mit Frauen in solchen politischen Konkurrenzsituationen gegeben habe. Wer in ein hohes Amt wolle, müsse Auswahlprozesse durchlaufen, bei denen nie alle glücklich seien, sagte Merkel weiter. Ihr selbst sei erst als Kanzlerin klar geworden, dass es in der CDU schwieriger war, Frau zu sein als aus dem Osten zu kommen.
Zudem appellierte sie an die Menschen in Deutschland, die Leistungen der amtierenden Bundesregierung fair zu bewerten. „Jeder Bürger sollte mit Maß und Mitte – das waren immer meine Lieblingsworte – versuchen, das, was die Regierung schon geschafft hat, zu ermessen“, sagte die einstige CDU-Vorsitzende dem „Focus“. „Es ist ja nicht so, dass da gar nichts passiert ist.“
Merkel, die von 2005 bis 2021 Bundeskanzlerin war, wollte sich in dem Interview nicht im Detail zur aktuellen Regierungspolitik äußern. Sie betonte aber: „Ich wünsche dieser Regierung Erfolg.“ Sie habe den Eindruck, „dass sich alle Beteiligten der unglaublichen Verantwortung bewusst sind“. Die Regierung von Union und SPD arbeite „unter wirklich schwierigen äußeren Bedingungen“, sagte Merkel und verwies auf die Kriege in der Ukraine und im Iran. „Das sind große Herausforderungen.“
Die Altkanzlerin verteidigte die Haushaltspolitik der von ihr geführten Regierungen. In der Finanzkrise 2008 habe man „irrsinnige Schulden“ aufgenommen, dann aber für solide Haushalte die Schuldenbremse eingeführt. „Man könnte heute kein Infrastrukturvermögen auflegen, könnte nicht unbegrenzt Verteidigungsausgaben stemmen, wenn wir nicht so gut gewirtschaftet hätten.“ In der damaligen Zeit sei die Schuldenbremse das Richtige gewesen.
Merkel denkt über Vergabe eines Stipendiums nach
Merkel bekundete, sie wolle gern einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Demokratie in Deutschland festige. Sie habe zunächst über eine Stiftung oder einen Preis nachgedacht. „Im Augenblick denke ich in die Richtung, ein Stipendium zu vergeben.“ Dieses wäre allerdings nicht für erfolgreich studierende junge Menschen gedacht. „Sondern für die, die zwischen Schule und Ausbildung eine schwierige Lebenssituation haben, wo die staatlichen Maßnahmen noch nicht so greifen.“
