Das sind die Gründe
Südtirol befürchtet langsamen Abschied deutscher Urlauber
28.10.2026 – 15:20 UhrLesedauer: 2 Min.
Hunderte stauen sich vor der Seilbahn, Beschwerden erreichen die Hütten. Und was machen Südtirols Stammgäste aus Deutschland? Sie suchen sich wohl langsam andere Täler.
Vor wenigen Tagen hatte Extrembergsteiger Reinhold Messner mit Influencer-Touristen in Südtirol abgerechnet. Nun warnt der Alpenverein der Region davor, dass die treuesten Gäste Südtirols verloren gehen könnten. Deutsche Urlauber zögen sich langsam zurück, die Gründe seien gestiegene Preise und überlaufene Berge und Ortschaften.
Carlo Alberto Zanella, Präsident des Alpenvereins Club Alpino Italiano (CAI) in Südtirol, sagte italienischen Medien: „Ich habe schon viele deutsche Touristen gehört, die Südtirol allmählich leid sind, weil es zu teuer und mittlerweile überlaufen ist.“ Es handle sich um Gäste, die teils seit Jahrzehnten jeden Sommer in dieselbe Pension im Villnöß- oder im Grödnertal kommen. Ihre Treue bröckele. „Sie wählen nach 20 oder 30 Jahren jetzt andere Ziele.“
- Kurios: Spaziergang an Zugspitze nimmt unerwartete Wende
- Plage: Dorf in Südtirol sperrt Touristen aus
Zanellas Warnung wird derzeit in mehreren italienischen Zeitungen zitiert, darunter im „Corriere dell’Alto Adige“, in „Gazzettino“ und im „Giornale Trentino“. Hintergrund ist eine deutliche Verschiebung bei der Herkunft der Gäste. Nach Daten des Südtiroler Landesinstituts für Statistik (Astat) zählte Südtirol im vergangenen Jahr rund 250.000 Ankünfte aus Asien, zehn Jahre zuvor waren es nur wenige Tausend. Südkorea, China, Japan und Taiwan zusammen bilden inzwischen den viertgrößten Herkunftsmarkt, hinter Deutschland, Italien und den USA.
Lob für die deutschen Wanderer
Den deutschen Urlaubern stellt Zanella ein ausgesprochen gutes Zeugnis aus, gerade im Vergleich zu anderen. „Vor allem die Deutschen kamen immer gut vorbereitet mit Wanderkarten. Sie planten ihre Touren“, sagte Zanella dem „Corriere dell’Alto Adige“ über die Wanderer früherer Jahre. Seine italienischen Landsleute dagegen „brechen einfach auf und nehmen die Seilbahn“.
Seiner Beobachtung nach kommen immer mehr Menschen unvorbereitet ins Hochgebirge. Am Seceda in Gröden auf 2.519 Metern, wo sich im Sommer Hunderte Gäste vor der Seilbahn stauen, habe er Touristen mit „Sonnenschirmchen und in Schlappen“ den Berg hinaufsteigen sehen. Vom Gipfel bleibe oft nur das Motiv: „Die Berge sind nur noch eine Bühne für Selfies und Influencer. Das ist ein proletenhafter, lauter, gefühlloser Tourismus“, so Zanella.
„Ich verbringe den Sommer woanders“
Wie sehr sich die Erwartungen an den Besuch in den Alpen verschoben haben, zeigt für Zanella die Post, die beim Alpenverein eingeht. „Ich habe die E-Mails nicht mehr gezählt von Wanderern, die sich beschwert haben, dass sie in der Hütte kein Eis für ihr Kind bekommen haben oder dass sie ein leicht angebranntes Omelett essen mussten“, sagte er dem Nachrichtenportal „ildolomiti.it“.
Für Zanella selbst hat das Konsequenzen. „Ich verbringe den Sommer nicht mehr in Südtirol. Das ist keine Provokation, sondern eine Kapitulation“, sagte er dem „Corriere“. Stattdessen fahre er ins Veneto.