Von David Del Valle
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Laut UN-Tourismusdaten festigt der afrikanische Kontinent seine Position als eine der am schnellsten wachsenden Tourismusregionen der Welt mit mehr als 80 Millionen Besuchern im Jahr 2025, 8 % mehr als im Vorjahr.
Laut dem World Travel and Tourism Council (WTTC) stiegen die Tourismusausgaben zudem um 5 % und übertrafen damit die reifen Märkte wie Europa.
Die Geopolitik spielt dabei eine Rolle. „Die Krise im Nahen Osten war eine große Störung für den Sektor, obwohl die Auswirkungen auf Afrika geringer sind“, erklärt Virginia Messina, Geschäftsführerin der African Travel and Tourism Association (ATTA). Ihrer Ansicht nach findet eine Neuausrichtung statt, da viele Fluggesellschaften ihre Flüge in Länder wie Kenia und den Süden des Kontinents verstärken und damit einen zugrunde liegenden Trend beschleunigen.
„Afrika verzeichnete bereits ein solides Wachstum und hat jetzt, im Kontext globaler Unsicherheit, die Chance, sich als einer der großen Motoren des Welttourismus zu festigen und sogar Asien als Region mit dem höchsten Wachstum abzulösen“, sagte Messina.
Afrikas größte Herausforderungen
Um dieses Wachstum zu unterstützen, setzt sich der Geschäftsführer von ATTA dafür ein, die Konnektivität und Mobilität innerhalb des Kontinents zu verbessern. „Das ist eine der größten Herausforderungen“, gibt sie zu. Obwohl es direkte Verbindungen von Europa zu wichtigen Gateway-Flughäfen wie Nairobi, Addis Abeba und Johannesburg gibt, ist der Umzug innerhalb der Region immer noch kompliziert. „Es gibt Routen, aber sie sind nicht immer gut verbunden“, räumt er ein.
Hinzu kommen hohe Kosten und die Abhängigkeit von diesen wichtigen Gateways, was die Entwicklung von Reiserouten mit mehreren Reisezielen und das Wachstumspotenzial des afrikanischen Tourismus einschränkt.
Über die Konnektivität hinaus gibt es noch andere Schlüsselfaktoren, die einen Unterschied machen können. Eine davon ist die Visapolitik, ein Bereich, in dem der Kontinent erste Fortschritte macht. „Wir sehen, dass immer mehr Länder Visa aufheben oder lockern, und das kann sich sehr schnell auf die Nachfrage auswirken“, sagt Messina.
Darüber hinaus besteht ein wachsendes Investoreninteresse an der Branche. „Das Interesse an Investitionen in Afrika ist viel größer“, erklärt sie, was die Entwicklung der Infrastruktur und neue Tourismuserlebnisse in verschiedenen Teilen des Kontinents vorantreibt.
Afrika ist mehr als Safaris
Neben diesen Entwicklungen gibt es auch einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie Afrika sich der Welt präsentieren möchte. „Die Safari ist grundlegend, aber Afrika ist viel mehr als das“, betont Messina. Der Kontinent erweitert sein Angebot um Erlebnisse, die von Kultur und Gastronomie bis hin zu Städtetourismus, Sonne und Strand oder direktem Kontakt mit lokalen Gemeinschaften reichen.
Gleichzeitig kurbelt die Entwicklung von Innovations- und Geschäftszentren in Städten wie Kigali und Nairobi, in denen bereits Kongresse und andere Veranstaltungen stattfinden, den Tourismus an.
„Es ist ein Kontinent mit einer sehr jungen Bevölkerung und einem großen Innovationspotenzial“, betont Messina und ist überzeugt, dass diese Kombination aus neuen Erfahrungen und städtischem Wachstum in den kommenden Jahren zur treibenden Kraft des afrikanischen Tourismus werden könnte.
Afrika steht vor einer einzigartigen Chance. In einem von Unsicherheit geprägten globalen Kontext vereint der Kontinent Wachstum, Investitionen und ein immer vielfältigeres Angebot. Die Herausforderung besteht nun darin, dieses Potenzial in echte Führung umzuwandeln. Wenn es gelingt, wird es nicht nur mehr Reisende anziehen, sondern auch zum nächsten großen Motor des globalen Tourismus werden.
