Studie

AfD-Wähler sind keine Demokraten – aber auch keine Extremisten

22.06.2026 – 17:46 UhrLesedauer: 2 Min.

Absperrungen der AfD (Symbolbild): Eine Studie hat sich mit Wählern der Partei beschäftigt. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-bilder)

Eine neue Analyse der Bundestagswahl 2025 zerlegt das Bild der homogenen AfD-Wählerschaft. Welches Profil tatsächlich dominiert, überrascht.

Zwei Drittel der AfD-Wähler bei der Bundestagswahl 2025 lassen sich nicht als Rechtsextremisten einordnen – aber auch nicht als gemäßigte Protestwähler. Das zeigt ein Policy Paper auf Basis der German Longitudinal Election Study (GLES), das drei unterschiedliche Profile innerhalb der AfD-Wählerschaft beschreibt.

Die größte Gruppe stellen mit 67,2 Prozent die sogenannten „Konservativen Hardliner“. Ihr politisches Denken dreht sich vor allem um Migration: Sie lehnen Zuwanderung stark ab und fordern von Minderheiten weitreichende Anpassung. Autoritäre Führungsvorstellungen und antisemitische Einstellungen fallen bei ihnen deutlich schwächer aus als bei der zweiten Gruppe. Tendenziell sind sie jünger und leben häufiger in Klein- und Mittelstädten.

Fast jeder Fünfte laut Studie radikal

Knapp ein Fünftel der AfD-Wählerschaft – 19,9 Prozent – zählt zu den „Radikal-rechten Autoritären“. Sie lehnen Migration noch entschiedener ab, weisen die höchsten Werte bei Autoritarismus und Antisemitismus auf und blicken besonders pessimistisch auf die wirtschaftliche Lage Deutschlands. Auffällig ist dabei, dass diese Gruppe nicht, wie oft angenommen, vor allem in Ostdeutschland verankert ist, sondern vergleichsweise häufig in Westdeutschland. Zudem bewertet sie Die Linke im Schnitt positiver als andere AfD-Profile – nicht als Zeichen inhaltlicher Nähe, sondern als Hinweis darauf, dass politische Affinitäten im AfD-Elektorat nicht entlang einfacher Links-Rechts-Muster verlaufen.

Mit 12,9 Prozent bilden die „Moderaten Konservativen“ die kleinste Gruppe. Auch sie lehnen Zuwanderung ab, messen aber Wirtschaft und Außenpolitik mehr Gewicht bei. Antisemitische Einstellungen und Zustimmung zu autoritärer Führung fallen bei ihnen am schwächsten aus – allerdings gemessen innerhalb der AfD-Wählerschaft, nicht im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.

AfD-Wähler blicken nicht optimistisch aufs Land

Was AfD-Wähler antreibt, ist laut Studie weniger die eigene wirtschaftliche Lage als ein pessimistischer Blick auf Deutschland insgesamt. Besonders ausgeprägt gilt das für die „Radikal-rechten Autoritären“: Je negativer jemand die nationale Wirtschaftslage bewertet, desto wahrscheinlicher ist die Zuordnung zu diesem Profil.

Die Studie warnt ausdrücklich davor, alle AfD-Wähler pauschal als extrem rechts einzustufen. Solche Zuschreibungen seien analytisch zu grob und könnten bei Teilen der Wählerschaft eher Abwehrreaktionen gegenüber demokratischen Parteien verstärken, als Distanz zur AfD zu fördern. Ob demokratische Parteien Teile dieser Wählerschaft durch veränderte politische Angebote zurückgewinnen könnten, lässt die Studie offen.

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