Im Bundestag

AfD schreibt Reden am häufigsten mit KI


18.06.2026 – 07:35 UhrLesedauer: 2 Min.

Partei- und Fraktionschefs Alice Weidel, Tino Chrupalla: In der AfD-Fraktion ist der Griff zum KI-Chatbot offenbar beliebt. (Quelle: IMAGO/Chris Emil Janssen/imago)

Künstliche Intelligenz wird im Bundestag bereits häufig genutzt. Ganze Reden sind einer Analyse zufolge mit KI erstellt. Die AfD liegt vorn.

Rund neun Prozent der Plenarreden im Bundestag sind im Jahr 2026 vollständig von Künstlicher Intelligenz (KI) geschrieben worden. Das geht aus einer Recherche des Magazins „Focus“ mit dem KI-Erkennungstool Pangram hervor. Demnach wurden im Jahr 2026 von bislang 853 im Plenum gehaltenen Beiträgen 76 als vollständig KI-formuliert identifiziert.

Am häufigsten fielen Reden von AfD-Abgeordneten auf. Die Fraktion kommt laut der Auswertung auf 23 Fälle. Dahinter folgen SPD und Union mit jeweils 20 als KI-generiert eingestuften Reden. Bei der Linken wurden neun, bei den Grünen vier entsprechende Beiträge identifiziert. Setzt man die Zahl der KI-Reden ins Verhältnis zur Fraktionsgröße, liegt die SPD vorn.

SPD-Politiker ließ wohl sechs Reden komplett von KI formulieren

In den Koalitionsfraktionen liegt der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Christos Pantazis, bei der KI-Nutzung an der Spitze. Alle seine sechs Reden im Jahr 2026 waren laut der Recherche zu 100 Prozent von KI formuliert.

Christos Pantazis (SPD): Er ist in seiner Fraktion für Gesundheitspolitik zuständig. (Quelle: Sebastian Christoph Gollnow/dpa/dpa-bilder)

Auf Anfrage von „Focus“ bestätigt Pantazis den Einsatz der KI als Teil eines mehrstufigen Arbeitsprozesses. Die KI werde in seinem Büro als Werkzeug für „sprachliche Anpassungen“ und die Überführung in „prägnante stilistische Mittel“ eingesetzt. „Mir ist in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen, dass die politischen Inhalte sowie Botschaften meine sind“, sagt der Abgeordnete.

CDU-Politiker Wildberger und Voigt in der Kritik

Zuvor waren mehrere Spitzenpolitiker durch ähnliche Analysen ihrer Reden oder Gastbeiträge in Medien wegen des Einsatzes von KI in Kritik geraten. Unter anderem Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) soll KI in größerem Stil in Reden und Beiträgen für Medien genutzt haben. Im Falle von Gastbeiträgen habe er die Redaktionen nicht über KI-Einsatz informiert. Das „Handelsblatt“ entfernte einen Gastbeitrag des Ministers vorerst aus seinem Angebot.

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) löste die Debatte um den Einsatz von KI in der Politik aus. Er beziehungsweise sein Team setzten KI unter anderem bei einer Rede zum Holocaust-Gedenktag, einer Trauerrede und einer Neujahrsansprache ein, berichtete das Onlineportal „Frag den Staat“. Zudem ließen sich Zitate von Wissenschaftlern, die Voigt in einem Gastbeitrag verwendete, demnach nicht verifizieren. Auch in diesem Fall nahm die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einen Gastbeitrag aus dem Netz.

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