„Sie sind ein YouTube-Dödel“
Von einem ostdeutschen Lokaljournalisten bekam Westfal vor wenigen Tagen Kontra, wie er es selten erlebt. „Sie sind ein YouTube-Dödel, der sich mit mir über Framing unterhalten will“, sagte Markus Wölk, Redaktionsleiter der „Altmark Zeitung“ zu Westfal. Wölk zeigte auf Westfals Shirt: Aufdruck „Remigration“, es ist aus dem Shop eines rechten Medienportals und wurde in Westfals Video prompt beworben. Westfal arbeitet auch für den „Deutschlandkurier“. Siegmund erklärte, von ihm werde Westfal weder beauftragt noch bezahlt.
Den Lokaljournalisten hatte Westfal gefragt, ob der da sei, um Siegmund zu schaden und was er wähle. Als Wölk zu Erklärungen ansetzte, dass seine Aufgabe das Berichten ist, nicht das Unterstützen oder Schaden, fiel ihm Westfal ins Wort. Westfal fasste sein Video so zusammen: „Mainstream-Journalist zerlegt sich selbst!“ t-online hat es in den Quellen unter diesem Text verlinkt, ebenso wie den nachrichtlich-neutralen Beitrag der Altmark Zeitung.
Westfal steuert seit Tagen auf den Veranstaltungen Journalisten an, um sie zu „interviewen“, also in der Regel mit rhetorischen, absurden Fragen zu attackieren. Aus seinem Umfeld heißt es, dass er auch Groll auf Medien hegt, weil die sein Material nutzen und er davon nichts hat.
Verwendet würden die Postings von Beobachteraccounts, die Kanäle von rechten Streamern nach besonderen Szenen auswerteten, ausschlachteten und damit Reichweite machten. Medien bedienten sich aber auch direkt bei ihm und platzierten ungefragt ihr Logo auf seine Bilder – gerade ist demnach eine Abmahnung für das rechte Portal „Nius“ in Vorbereitung, das besonders exzessiv ungefragt Material verwendet habe.
„Mattheo hat da die Grenzen etwas überschritten“
„Welt“-Reportern rückte er auf die Pelle, Fabian Köster lief er nach. Die „Deutsche Welle“ hat ihn sogar abgemahnt, weil er das Recht eines Reporters am eigenen Bild verletzt habe. Westfals Anwalt hat den Sender deshalb wegen Nötigung angezeigt. Den RBB-Reporter Olaf Sundermeyer, einen Extremismus-Experten der ARD, fragte Westfal, warum er „linksextrem“ sei und predigte: „Kehren Sie um. Der liebe Gott vergibt Ihre Schandtaten.“ Westfal hat einen religiösen Hintergrund, er war früher für die Organische Christus-Generation (OCG) tätig, die Sekte des Schweizer Laienpredigers Ivo Sasek.
Dass Westfal „vier, fünf Stunden“ ununterbrochen streamt, wie Siegmund lobte, wird für den YouTuber manchmal auch gerade zum Problem, sagt t-online jemand aus seinem Umfeld: „Da passiert über lange Strecken nichts, das ist eigentlich zum Abschalten.“ Dann gerieten Streamer in die Versuchung, selbst vermeintlich Aufregendes zu inszenieren. „Mattheo“ – so wird er gerufen – „hat da die Grenzen etwas überschritten.“