Landesparteitag Niedersachsen

Trotz Kritik: AfD hält an umstrittenem Chef fest

25.04.2026 – 21:29 UhrLesedauer: 3 Min.

Ansgar Schledde bleibt Landeschef der AfD Niedersachsen. (Quelle: Moritz Frankenberg/dpa/dpa-bilder)

Gegen Ansgar Schledde gibt es Vorwürfe wegen Vetternwirtschaft und illegaler Parteienfinanzierung. Die AfD in Niedersachsen wählt ihn trotzdem erneut.

Trotz interner Spannungen präsentiert sich die AfD Niedersachsen geschlossen. Der Landesparteitag in Dötlingen im Landkreis Oldenburg stand im Zeichen klarer Personalentscheidungen und großer Mehrheiten. An der Spitze bleibt Ansgar Schledde: Die Delegierten wählten ihn mit 95,04 Prozent erneut zum Landeschef. 134 Delegierte stimmten für ihn, sieben gegen ihn, zwei enthielten sich.

„Wir sind stark und einig wie noch nie“, sagte Schledde. Der 48-Jährige führt den Landesverband seit zwei Jahren. Für interne Grabenkämpfe sei keine Zeit mehr, da mit den Kommunalwahlen im Herbst und der Landtagswahl im nächsten Jahr wichtige Wahlen bevorstünden. In aktuellen Umfragen liegt die Partei bei 20 bis 21 Prozent.

Der Gegenwind sei zuletzt stark gewesen, sagte Schledde. Er kündigte an, nun in die Offensive zu gehen. „Wir wehren uns erfolgreich, aber wir tun das nicht laut, weil wir an das Wohl der Partei und des Landes denken, nicht an unsere eigene Karriere in Brüssel oder Berlin.“

Auch bei den Stellvertretern setzten die Delegierten auf Kontinuität: Jens-Christoph Brockmann wurde mit 94,70 Prozent als erster stellvertretender Vorsitzender im Amt bestätigt. Stephan Bothe rückt auf – der bisherige dritte Stellvertreter wurde mit 88,55 Prozent zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Neu im Führungstrio ist Vanessa Behrendt. Die bisherige Beisitzerin erhielt 94,12 Prozent und ist nun dritte stellvertretende Vorsitzende. Alle drei sitzen auch im niedersächsischen Landtag.

Der Parteitag fällt in eine Phase innerparteilicher Spannungen. Der Landesvorstand um den wiedergewählten Vorsitzenden Schledde sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert: In zwei sogenannten Brandbriefen hatten die AfD-Europaabgeordnete Anja Arndt und weitere Parteimitglieder von einem „korrupten System“ und einer „Parallelorganisation“ gesprochen. Gegen Arndt läuft ein Parteiausschlussverfahren.

In der AfD Niedersachsen soll ein System verbreitet gewesen sein, um die Partei illegal aus Steuergeldern gegenzufinanzieren: Landeschef Schledde soll demnach von Abgeordneten in Bundestag und EU-Parlament verlangt haben, 35 Prozent ihres Personalbudgets für Mitarbeiter zu nutzen, die für die Partei arbeiten, nicht für die Abgeordneten oder die Fraktionen. Schledde bestreitet die Vorwürfe.

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