CDU-Abgeordnete widersprechen Parteikollegen

Siegmund wählen? „Jedem Demokraten würde Hand abfaulen“


Aktualisiert am 08.10.2026 – 13:19 UhrLesedauer: 3 Min.

AfD-Politiker Ulrich Siegmund: Ihm fehlen drei Stimmen, um Ministerpräsident werden zu können. (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Ein ehemaliger CDU-Landtagsabgeordneter wirbt dafür, AfD-Politiker Siegmund zum Ministerpräsidenten zu wählen. Aus der Fraktion im Landtag kommt harscher Widerspruch.

Es ist ein überraschend offener Vorstoß, den der sachsen-anhaltische CDU-Politiker Alexander Räuscher am Dienstag macht: Seine Parteikollegen im Landtag sollten AfD-Politiker Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen. In der vergangenen Legislatur saß Räuscher selbst noch für die CDU im Landtag. Nun aber erhält er von einigen Kollegen dort vehementen Widerspruch.

„Wir sollten Siegmund definitiv nicht zum Ministerpräsidenten wählen“, sagte der CDU-Abgeordnete Tobias Krull t-online. „Wenn Herr Siegmund gewählt werden will, muss er sich seine Mehrheit mit anderen suchen.“

Der CDU-Abgeordnete Marco Tullner sagte t-online: „Wir als CDU sollten Ulrich Siegmund auf keinen Fall zum Ministerpräsidenten wählen. Wir sind Opposition und keine AfD-Hilfstruppe.“

Marco Tullner: „Wir sind keine AfD-Hilfstruppe.“ (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Der CDU-Abgeordnete Chris Schulenburg sagte t-online: „Jedem aufrichtigen Demokraten würde in der Wahlkabine die Hand abfaulen, wenn er einen AfD-Ministerpräsidenten wählen würde, der einer gesichert rechtsextremen Partei angehört.“

Lars-Jörn Zimmer, ebenfalls Abgeordneter in der neuen CDU-Fraktion, sagte t-online: Die Aussage von Räuscher entbehre „jeder Grundlage“. Die CDU-Ministerpräsidenten Reiner Haseloff und Sven Schulze seien auch ohne Unterstützung aus anderen Fraktionen gewählt worden. „Mein Ministerpräsident wäre Sven!“

Die Abgeordnete Sandra Hietel-Heuer sagte t-online: „Die Äußerung des Ex-Kollegen überrascht mich nicht.“ Räuscher habe „schon immer steile Thesen verbreitet und provoziert.“ Es handele sich bei seiner Forderung um „eine Einzelmeinung, die ich vehement ablehne“, sagte Hietel-Heuer weiter. Im Übrigen gelte der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU. Der schließt eine Kooperation der CDU mit der AfD eigentlich aus.

Auch Sepp Müller, der aktuell für den Posten des CDU-Landeschefs kandidiert, positioniert sich deutlich: „Wir haben im Landesvorstand den Gang in die Opposition beschlossen“, sagte er t-online. „Deshalb beschaffen wir niemanden eine Mehrheit.“ Müller sitzt allerdings als Abgeordneter im Bundestag, selbst wird er keine Stimme bei der Wahl haben.

Räuscher: CDU sollte Siegmund-Wahl ermöglichen

Der frühere Abgeordnete Räuscher hatte sich im „Tagesspiegel“ klar für die Wahl Siegmunds ausgesprochen. „Das Wahlergebnis verlangt, dass Herr Siegmund Ministerpräsident wird. Die CDU sollte seine Wahl ermöglichen“, sagte er.

Die CDU solle für Siegmund votieren, „nicht, weil wir seine Fans wären, sondern, weil es das Wahlvolk will“. Räuscher sagte: „Ich hätte Bauchschmerzen, Siegmund im Landtag zu wählen, aber ich würde es tun. Da müssen wir jetzt durch.“

Räuscher saß von 2021 bis 2026 für die CDU im Landtag. Er zählt zum rechten Flügel der Partei. In der Vergangenheit löste er mehrfach Kontroversen aus. So postete er auf der Plattform X – gerichtet an einen Grünen-Politiker, der schrieb, er bekäme beim Lesen von Räuschers Beiträgen Kopfschmerzen – ein Bild, auf dem neben Kopfschmerztabletten auch drei Schusswaffenpatronen zu sehen waren. Dazu schrieb Räuscher: „Darf ich Ihnen etwas gegen Ihr Leiden geben?“

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