Änderung beim Notruf 110

Polizei kann Anrufer künftig genauer orten


23.05.2026 – 15:11 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein Blaulicht auf einem Polizeifahrzeug: Bei Notrufen über die 110 kann die Polizei Anrufer künftig genauer orten. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-bilder)

Bei Notrufen über die 110 können Polizisten künftig die genauen Standortdaten des Anrufers ermitteln. An einem deutschlandweiten Test nimmt jetzt ein weiteres Bundesland teil.

Die Polizei testet bundesweit ein neues Handy-Ortungsverfahren für Notrufe über die 110. Das berichtet die Polizei Nordrhein-Westfalen, die laut eigenen Angaben ab sofort an einem Test der Technologie teilnimmt. Demnach können die Beamten dort bei einem eingehenden Notruf künftig die vom Handy übermittelten Standortdaten des Anrufers einsehen.

Die Technik soll genutzt werden können, wenn Personen ihren genauen Standort nicht nennen können oder dazu nicht in der Lage sind. Das soll Einsatzkräfte in Gefahrensituationen schneller an den richtigen Ort bringen. Bislang nutzen die Beamten die aufwendigere Technik der netzbasierten Ortung über Funkzellen, die vor allem in ländlichen Gebieten ungenau ist.

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Grundlage für das Verfahren ist die sogenannte „Advanced Mobile Location“-Technologie (AML), die in modernen Smartphones eingebaut ist. Wird mit einem entsprechenden Handy die 110 gewählt, sendet das Gerät während des Rufaufbaus automatisch die per GPS ermittelten Standortdaten an einen zentralen Speicherort.

Standortdaten werden automatisch gelöscht

Die Daten bleiben dort laut Polizei maximal 60 Minuten gespeichert und werden anschließend automatisch gelöscht. Ein Abruf der Daten sei nur möglich, wenn zuvor ein Notruf eingegangen sei. Bewegungsprofile würden dabei nicht erstellt.

Hilfreich könne die Technologie auch bei der Verfolgung von Straftaten sein. „Beobachtet etwa eine Zeugin oder ein Zeuge eine gewalttätige Auseinandersetzung, einen Raub oder einen Einbruch und wählt den Notruf 110, ohne den eigenen Standort genau benennen zu können, kann die Polizei die übermittelten Standortdaten nutzen“, heißt es.

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AML ist automatisch eingeschaltet

Die Standortermittlung per AML ist unter Android und iOS automatisch aktiviert. Über den Notruf 112 wird die Technologie bereits seit einigen Jahren eingesetzt und Standortdaten an Feuerwehren und Rettungsleitstellen übermittelt.

Für die Verwendung von AML über die 110 müssen in jedem Bundesland die rechtlichen Grundlagen dafür geschaffen werden. Während das Verfahren etwa in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern bereits eingesetzt wird, wird es in anderen Bundesländern noch nicht verwendet.

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