Hohe Dunkelziffer vermutet

Mehr Vergewaltigungen nach der Wiesn? Das steckt dahinter


01.10.2026 – 18:09 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Polizei wird wohl wie im Vorjahr auf der Wiesn mit rund 600 Beamten im Einsatz sein.

Polizei hinter Wiesn-Besucherinnen (Symbolbild): Wie viele sexuelle Übergriffe es auf dem Heimweg gibt, kann kaum jemand verlässlich sagen. (Quelle: Archiv/Ralph Peters/imago-images-bilder)

Erst zur Wiesn, dann sicher nach Hause: für viele Frauen und Mädchen eine Herausforderung. Auf Social Media heißt es: Während des Oktoberfests gibt es mehr Vergewaltigungen. Stimmt das?

Wie sicher ist die Wiesn wirklich? Ein virales Video einer Ärztin legt nahe: Das Volksfest geht mit einer gestiegenen Anzahl an sexuellen Übergriffen einher. Die Ärztin berichtet von Kollegen aus der Gynäkologie, deren Arbeitsalltag sich „seit Beginn der Wiesn vollkommen verändert“ habe: „Weil extrem viele Vergewaltigungen anstehen, sowohl in den Nachtdiensten als auch am Tag, als auch am Wochenende.“

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Laut dem Video sollen Vergewaltigungen während der Wiesn am Wochenende deutlich häufiger geschehen als sonst. „Täglich mehrmals, sehr häufig“, so die Ärztin, Luisa Werner.

Übergriffe auf dem Wiesn-Heimweg? Das ist dran

Demzufolge würden sich die meisten Fälle auf dem Heimweg zwischen Theresienwiese und Hauptbahnhof ereignen. Werner appelliert an Mädchen und Frauen, nicht alleine nach Hause zu gehen. „Geht in einer größeren Gruppe oder holt euch ein Taxi, ein Uber von der Theresienwiese aus“.

Der „Safe Space“ (Archivbild) auf der Theresienwiese ist ein Rückzugsort für Frauen und Mädchen, die Hilfe benötigen. (Quelle: Leonie Asendorpf/dpa/dpa-bilder)

Belege, Namen oder Zahlen gibt es im Video keine. Ob Sätze wie der, dass es „täglich mehrmals“ Vergewaltigungen mit Bezug auf das Oktoberfest gebe, tatsächlich stimmen, lässt sich hier nicht feststellen. Das Klinikum der LMU konnte auf Nachfrage der Münchner Lokalredaktion von t-online keine Auskunft geben und verwies an die Polizei. Doch auch die Münchner Polizei sagt: „Erkenntnisse zu auffälligen Steigerungen haben wir nicht.“

Dennoch ist das Risiko, Opfer eines Übergriffs zu werden, nicht unerheblich. Erst am Dienstag (29. September) teilte die Polizei mit, eine junge Frau sei im Bavariapark neben dem Festgelände sexuell missbraucht worden. Das Opfer war zuvor auf dem Oktoberfest gewesen. Noch am Sonntag hatte es geheißen, es habe bislang keine Vergewaltigung gegeben.

Sexualstraftaten rund ums Oktoberfest: Hohe Dunkelziffer vermutet

Dieser Fall steht exemplarisch für typische Situationen, in denen Frauen außerhalb des Festgeländes Opfer von sexuellen Übergriffen werden. Etwa, wenn die Menschenmassen die Theresienwiese verlassen und man dort zur Seite gezogen wird. Oder wenn man aus der U-Bahn steigt, von Männern verfolgt und anschließend überfallen wird. So schildert es Kristina Gottlöber, Sozialpädagogin und Sprecherin des Vereins Aktion Sichere Wiesn e. V. im Gespräch mit t-online.

Kristina Gottlöber (Archivbild): Sie arbeitet seit über 20 Jahren im „Safe Space“ auf der Wiesn. (Quelle: Jannik Läkamp)
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