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Victor Lustig: Der Hochstapler, der den Eiffelturm verkaufte

wochentlich.deVon wochentlich.de14 Dezember 20234 Min Gelesen
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Victor Lustig: Der Hochstapler, der den Eiffelturm verkaufte
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Victor Lustig: Der Hochstapler, der den Eiffelturm verkaufte

Mit einem unglaublichen Betrug wurde Victor Lustig zum wohl bekanntesten Hochstapler aller Zeiten. Ihm gelang es sogar, den Eiffelturm zu verkaufen.

Seit mehr als 130 Jahren thront der Eiffelturm über Paris. Mittlerweile ist er aus dem Stadtbild der Metropole an der Seine nicht mehr wegzudenken. Doch das war nicht immer so. Nach seiner Eröffnung war der Turm vielen Parisern verhasst. Genau diesen Umstand machte sich einer der bekanntesten Trickbetrüger aller Zeiten zu Nutzen.

Der Eiffelturm wurde zur Weltausstellung 1889 in Paris eröffnet. Der 330 Meter hohe Eisenfachwerkturm diente als Eingangstor und Aussichtsturm der Messe. Am nordwestlichen Ende des Marsfeldes ragt das Eisengerüst seither über die Dächer der französischen Hauptstadt. Mit jährlich sieben Millionen zahlenden Besuchern zählt er mittlerweile zu den meistbesuchten Wahrzeichen der Welt. Dabei wollten die Einwohner der Stadt den Turm kurz nach seiner Eröffnung schnellstmöglich wieder loswerden.

„Unnötig und ungeheuerlich“

Vor allem Künstler waren von Anfang an gegen die Errichtung des Turms. In der renommierten Tageszeitung „Le Temps“ veröffentlichte 1887 ein Zusammenschluss aus Künstlern und Intellektuellen gar einen Protestbrief zum Baubeginn. Sie seien „mit aller Kraft gegen die Errichtung des unnötigen und ungeheuerlichen Eiffelturms im Herzen unserer Hauptstadt“, schrieben sie damals.

Auch nach Ende der Weltausstellung hielt der Protest an. Eigentlich sollte der Eiffelturm bereits im Jahr 1909 abgerissen werden. Doch man entschied sich dafür, ihn lieber als markantes Bauwerk der Stadt stehenzulassen und den Protest schlicht auszusitzen. Der Turm spaltete jedoch weiterhin die Gemüter. Und so wurde auch noch Mitte der 1920er-Jahre kritisch über den Turm berichtet. Als 1925 in der Zeitung vom Verfall des Eiffelturms und dem anhaltenden Protest berichtet wurde, brachte das einen Leser auf eine Idee.

Graf Lustig kommt nach Paris

Victor Lustig war gerade erst aus den USA nach Paris gekommen. In den Vereinigten Staaten hatte sich der im heutigen Tschechien geborene Trickbetrüger ab 1920 als Graf Victor Lustig ausgegeben. Mit seinem aristokratischen Auftreten hatte er vermeintliche Gelddruckmaschinen verkauft und sichere Tipps bei Pferdewetten vorgetäuscht.

Nun also war er nach Paris gekommen und sah im Protest gegen den Eiffelturm die Möglichkeit für seinen nächsten großen Coup. Für seinen Plan gab sich Lustig als stellvertretenden Generaldirektor des Postministeriums aus.

Eiffelturm zu verkaufen

In dieser Position erstellte er eine Ausschreibung für den Verkauf des Eiffelturms. Diese schickte der Hochstapler an sechs Pariser Schrotthändler und lud sie zu Verkaufsverhandlungen in eines der besten Hotels der Stadt ein. Im Hôtel de Crillon logierten zu jener Zeit vor allem Diplomaten und Politiker.

Daher schöpften die Schrotthändler bei der Einladung auch keinen Verdacht. Alle sechs erschienen zu ihrem Termin. Dabei versicherte ihnen Lustig, sie aufgrund ihrer makellosen Reputation auserwählt zu haben. Er bat die Händler, die Verhandlungen geheim zu halten, da eine Meldung über den Abriss des Eiffelturms hohe Wellen schlagen würde.

Der arme Beamte

Ein Schrotthändler tat es Lustig besonders an. Für den Trickbetrüger stand daher fest, dass er den Handel mit André Poisson eingehen würde. Nur dessen Frau schöpfte anfangs noch Verdacht. Diesen konnte Lustig allerdings aus der Welt schaffen, indem er so tat, als sei er aufgrund seines geringen Gehalts bestechlich – für die damalige Zeit ganz normal für Beamte.

So gelang es Victor Lustig tatsächlich, den Deal abzuschließen. Als Bestechungsgeld und Anzahlung erhielt er mindestens eine Million Francs. Direkt nach Abschluss des Handels setzte sich Lustig nach Wien ab. Zurück blieb ein verdutzter Poisson. Dem war es so peinlich, auf den Betrug hereingefallen zu sein, dass er sich dazu entschied, Lustig nicht bei der Polizei anzuzeigen.

Auch Al Capone fiel auf ihn herein

In Wien bemerkte dies auch der geflohene Victor Lustig. Denn in keiner Zeitung wurde von dem Betrug berichtet. Daher entschied sich der Hochstapler, erneut nach Paris zu gehen, um den Eiffelturm noch einmal an ein anderes Opfer zu verhökern. Doch dieses Mal schöpfte der auserwählte Schrotthändler Verdacht und zeigte Lustig bei der Polizei an. Der floh schnellstmöglich zurück in die USA.

In den Vereinigten Staaten machte er dann wieder als Graf Lustig auf sich aufmerksam, unter anderem mit einem Betrugsversuch an Al Capone. Dem berüchtigten Mafiaboss versprach Lustig, dessen Geld innerhalb von 60 Tagen zu verdoppeln. Doch nach Ablauf der Zeit brachte Graf Lustig lediglich die Ausgangssumme von 50.000 Dollar zurück. Capone, der entweder mit einer Verdopplung oder einem kompletten Verlust des Geldes gerechnet hatte, war von der Aufrichtigkeit Lustigs so begeistert, dass er dem Betrüger 1.000 Dollar zahlte.

Lustig starb am 11. März 1947 in Springfield, Missouri. Auf seinem Totenschein trug man unter „Beruf“ die Bezeichnung „Verkäuferlehrling“ ein.

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