Studie zeigt Unzufriedenheit
Polizeinachwuchs zieht die Notbremse
02.11.2026 – 13:01 UhrLesedauer: 3 Min.
Viele junge Polizistinnen und Polizisten zweifeln an ihrer beruflichen Zukunft. Was sie belastet und welche Veränderungen sie sich wünschen, wurde nun von Wissenschaftler ermittelt.
Die Polizei in Deutschland kämpft um Nachwuchs. Junge Beamtinnen und Beamte kündigen, brechen ihre Ausbildung oder ihr duales Studium ab und denken über einen Wechsel nach. Eine deutschlandweite Studie der Technischen Universität Chemnitz zeigt jetzt, wie zufrieden oder unzufrieden der Polizeinachwuchs mit seiner Ausbildung und seinem Beruf ist.
Die befragten 8.219 Befragten Polizistinnen und Polizisten im Alter von bis zu 29 Jahren bewerteten ihre allgemeine Berufszufriedenheit auf einer Skala von eins bis sieben mit durchschnittlich 4,39 Punkten. Der Wert liegt damit zwar im positiven Bereich, fällt aber nicht besonders hoch aus, so die Studienautoren Benjamin Höhne und Nora Heine.
Arbeit wird nicht gut genug anerkannt
Besonders unzufrieden zeigen sich die Befragten mit der Anerkennung ihrer Arbeit. Dieser Bereich erreicht lediglich 3,34 Punkte. Auch die Beförderungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten schneiden mit 3,38 Punkten schlecht ab. Bei den Arbeitszeiten liegt die Zufriedenheit bei 3,52 Punkten, beim Einkommen bei 3,75 Punkten.
Auch die Mitbestimmung und der interne Informationsfluss erhalten keine gute Bewertung. Die Befragten vergeben dafür durchschnittlich 3,65 Punkte. In den offenen Antworten berichten einige, dass Vorgesetzte neue Ideen blockierten. Auch die Kommunikation mit ihnen sehen manche als verbesserungswürdig an, heißt es in der Studie. „Gerade für jüngere Beschäftigte spielt die Möglichkeit zur Mitgestaltung eine wichtige Rolle. Fehlt sie, kann das nicht nur die Zufriedenheit mindern. Die Polizei verliert dadurch auch Ideen, die ihre Organisation weiterentwickeln könnten.“
Methodik
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) gab die Untersuchung bei der Technischen Universität Chemnitz in Auftrag. Von Anfang Juni bis Anfang Juli 2026 füllten 8.219 GdP-Mitglieder bis zum Alter von 29 Jahren einen umfangreichen Online-Fragebogen aus. Die Befragung erfasste alle Mitglieder dieser Altersgruppe und erreichte eine Rücklaufquote von etwa 13 Prozent.
Gute Zusammenarbeit, aber Kritik an Diskriminierung
Die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen bewerten die jungen Polizeikräfte deutlich besser. Dafür vergeben sie im Durchschnitt 5,3 von sieben Punkten. Dennoch sprechen einzelne Antworten auch Diskriminierung und Sexismus an.
Einige Befragte kritisieren, dass Vorgesetzte solche Vorfälle nicht ernst nähmen. Eine Person schreibt: „Es wäre wünschenswert und zwingend erforderlich, wenn Vorgesetzte […] sich tatsächlich und ernsthaft mit Diskriminierung/Sexismus Vorfällen auseinandersetzen und nicht die Opfer kleinreden.“
Besonders wenig Anerkennung erfahren die Polizeikräfte aus ihrer Sicht durch politische Akteure und die Medien. Für die Anerkennung durch die Politik vergeben sie nur 2,37 Punkte, für die mediale Berichterstattung 2,58 Punkte.
Mehr als die Hälfte denkt über Kündigung nach
Besonders alarmierend fällt ein anderer Befund aus. 55 Prozent der Befragten haben schon einmal darüber nachgedacht, den Polizeidienst zu verlassen. In der Bundespolizei liegt der Anteil sogar bei knapp zwei Dritteln, also bei 65 Prozent.
Knapp 40 Prozent der Nachwuchskräfte haben bereits einen Abbruch ihrer Ausbildung oder ihres Studiums erwogen. Als wichtigste Gründe für Kündigungsgedanken nennen sie die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, eine zu geringe Bezahlung, fehlende Anerkennung und psychische Belastungen. Stress entsteht der Studie nach vor allem durch Ermüdung, zu wenig Zeit für Familie und Freunde, bürokratische Aufgaben und Personalmangel.