Corona-Langzeitfolgen
Was Long Covid mit Bakterien in den Atemwegen zu tun hat
13.10.2026 – 13:49 UhrLesedauer: 3 Min.
Warum leiden manche Menschen noch Monate nach einer Corona-Erkrankung? Eine Studie untersucht das Zusammenspiel von Bakterien und Beschwerden – und findet ein Muster.
Von „Long Covid“ sprechen Mediziner, wenn jemand mehr als vier Wochen nach einer Corona-Infektion noch Beschwerden verspürt. Viele Betroffene sind immerzu erschöpft, werden schon bei geringer Anstrengung kurzatmig oder können sich schlechter konzentrieren. Manche leiden unter Muskelschwäche oder einem gestörten Geruchs- und Geschmackssinn. Auch Ängste und depressive Beschwerden sind mögliche Symptome.
Warum die Erkrankung bei einigen derart hartnäckige Folgen hat und bei anderen nicht, ist weitgehend ungeklärt. Eine britische Studie liefert nun einen Hinweis darauf, welcher bislang wenig beachtete Faktor dabei eine Rolle spielen könnte: die Bakterien, die in unserem Mund und unseren Atemwegen leben.
Mundspülung und abgehusteter Schleim untersucht
Für ihre Studie untersuchten die Forscher 771 Menschen, die wegen Covid-19 in britischen Krankenhäusern behandelt worden waren. Rund sechs Monate nach ihrer Entlassung kamen die Teilnehmer zu einer Nachuntersuchung. Dabei spülten sie ihren Mund mit einer Flüssigkeit aus, die sie anschließend in einem Probengefäß auffingen. Die Flüssigkeit enthielt Bakterien aus dem Mundraum. Von 327 Patienten standen außerdem Proben von Schleim zur Verfügung, den sie aus den Atemwegen hochgehustet hatten.
Im Labor untersuchten die Forscher die DNA der Bakterien. So konnten sie feststellen, welche Bakteriengruppen im Mund und im abgehusteten Schleim vorkamen und wie groß ihr jeweiliger Anteil war.
Doch wie hing das mit dem Gesundheitszustand der Patienten zusammen? Um das herauszufinden, ließen die Forscher die Teilnehmer Fragebögen zu ihren Beschwerden ausfüllen. Außerdem untersuchten sie unter anderem, wie gut ihre Lunge funktionierte und wie körperlich belastbar sie waren.
Anhand der gesundheitlichen Einschränkungen teilte das Team die Patienten in vier Gruppen ein: von Menschen, die sich vergleichsweise gut erholt hatten, bis zu solchen mit sehr schweren Beschwerden. Anschließend verglichen die Forscher die Bakteriengemeinschaften zwischen den Gruppen. Sie prüften auch, ob bestimmte Bakterien häufiger bei Patienten mit einzelnen Beschwerden vorkamen, etwa bei Konzentrationsproblemen oder Verdauungsstörungen.
Andere Bakterienmuster je nach Beschwerden
Es zeigte sich: Bei Patienten mit besonders schweren Langzeitbeschwerden lebten im Mund und in den Atemwegen weniger unterschiedliche Bakteriengruppen als bei Menschen, die sich vergleichsweise gut erholt hatten. Auch das Mengenverhältnis der Bakterien im Mund war anders. Einige Bakteriengruppen kamen häufiger vor, andere seltener.
Das ist deshalb interessant, weil in unserem Körper zahlreiche Bakterien leben, die normalerweise ein gewisses Gleichgewicht bilden. Gerät dieses durcheinander, kann das mit gesundheitlichen Problemen zusammenhängen.
Die Forscher stellten außerdem fest, dass sich die Bakterien im Mund auch danach unterschieden, ob die Patienten unter Konzentrations- und Gedächtnisproblemen litten. Bei Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden fanden sie wiederum im abgehusteten Schleim aus den Atemwegen andere Bakterienmuster als bei Patienten ohne solche Beschwerden.
Was bedeuten die Ergebnisse für Betroffene?
Die Ergebnisse eröffnen erst einmal keine neuen Behandlungsmöglichkeiten für Long Covid. Dazu sind zu viele Fragen offen, insbesondere: Sind veränderte Bakteriengemeinschaften ein Mitverursacher der Beschwerden – oder vor allem eine Folge der Erkrankung?