Hinrichtung geht schief
Eine Stunde nach der Giftspritze atmete Christa Pike noch
Aktualisiert am 01.10.2026 – 09:28 UhrLesedauer: 3 Min.
Erstmals seit mehr als 200 Jahren sollte in Tennessee eine Frau hingerichtet werden. Doch die Giftspritze wirkte nicht wie vorgesehen.
In Tennessee musste die erste Hinrichtung einer Frau seit mehr als 200 Jahren aus medizinischen Gründen abgebrochen werden. Am Mittwochmorgen war die eigentlich für 10 Uhr (Ortszeit) angesetzte Hinrichtung noch vom Bundesberufungsgericht gestoppt worden, bevor Stunden später die Erlaubnis des Supreme Court kam. Daraufhin sollte die Hinrichtung per Giftspritze am späten Abend stattfinden.
Allerdings kam es dabei zu Komplikationen, wie mehrere US-Medien unter Berufung auf Pikes Anwälte schreiben. Demnach war die 50-Jährige auch eine Stunde, nachdem sie zwei Spritzen mit den tödlichen Medikamenten erhalten hatte, noch am Leben: „Sie hat immer noch nicht das Bewusstsein verloren, sie hat nach wie vor Puls und atmet hörbar.“
Hinrichtung wurde gestoppt

Daraufhin wurde die Hinrichtung unterbrochen, die Zeugen wurden gebeten, den Raum vor der Hinrichtungskammer zu verlassen. Vor dem Gefängnis in Riverbend, in der Nähe von Nashville, trafen Rettungswagen ein. Zeugen berichteten, dass Pike „unnötig große Qualen“ erlitten habe.
Wenig später teilte Richter Kyle Hixson mit, in einer Telefonkonferenz mit den Anwälten aller Beteiligten habe der Staat das Gericht informiert, „dass Frau Pike nicht für tot erklärt worden sei“. Die Justizvollzugsbehörde habe zudem die medizinische Notfallversorgung und den Transport von Pike in ein Krankenhaus angeordnet. Laut ihren Anwälten habe sie vor der Hinrichtung gesagt, dass sie ihren Frieden gefunden habe und bereit sei zu sterben.
Pike wurde 1996 für den Mord an einer 19-jährigen Mitschülerin zum Tode verurteilt. Zum Tatzeitpunkt war sie 18 Jahre alt. 1995 hatte Pike gemeinsam mit ihrem damals 17-jährigen Freund und einer Freundin, die bei der Tat Wache hielt, das Opfer in ein abgelegenes Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gelockt. Dort folterten und töteten Pike und ihr Freund das Opfer.

Streit um den Missbrauch in Pikes Kindheit
Am Mittwoch hatte ein Berufungsgericht entschieden, dass die zum Tode verurteilte Pike berechtigte Zweifel an der Rechtmäßigkeit des früheren Verfahrens dargelegt habe, die geprüft werden müssten. Zentraler Punkt dabei ist die gerichtliche Würdigung von Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitt. Pike war als Kind jahrelanger körperlicher sowie sexueller Gewalt ausgesetzt gewesen. Das hatte bei ihr zu einer bipolaren und einer posttraumatischen Belastungsstörung geführt.
Die Verurteilte machte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe sie als Lügnerin abgetan und den Missbrauch für erfunden gehalten. Erst später habe der Bundesstaat den Missbrauch als Fakt anerkannt.