Bevölkerung nicht vorbereitet
Nato-Experten: Europa würde Krieg gegen Russland nicht durchhalten
06.09.2026 – 14:03 UhrLesedauer: 2 Min.
Russlands Einfluss auf Europas Bevölkerung könnte nach Einschätzung von Fachleuten die militärische Gegenwehr schwächen. Sie fürchten auch politische Folgen bei anstehenden Wahlen.
Verteidigungsplaner, die mit der Nato zusammenarbeiten, haben gewarnt, Europa könne einen längeren Abnutzungskrieg gegen Russland derzeit nicht durchhalten. Wie der britische „Guardian“ berichtet, äußerten sie diese Einschätzung bei einem Forum der Münchner Sicherheitskonferenz.
Der Bevölkerung fehle es dem Bericht zufolge an Vorbereitung und womöglich auch an der Bereitschaft, einen langen Krieg mitzutragen. Die Nato müsse ihre Planungen deshalb auf einen vergleichsweise kurzen Konflikt ausrichten. Zugleich fürchteten Teilnehmer, Russland könne im sogenannten hybriden Krieg gegen Europa die Oberhand gewinnen. Moskaus Einflussnahme schränke bereits die Handlungsmöglichkeiten der militärischen Planer für den Fall einer direkten Konfrontation ein.
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Ein früherer britischer Minister räumte laut „Guardian“ ein, der Westen habe seine Bevölkerung nur unzureichend über das Ausmaß der hybriden Auseinandersetzung mit Russland aufgeklärt. Ein britischer Diplomat kritisierte, aufeinanderfolgende Premierminister hätten nichts getan, um die Bedrohung zu erklären. Nun müssten Minister unvorbereitete Wähler davon überzeugen, Sozialausgaben zugunsten der Verteidigung zu kürzen. „Das Niveau der Debatte war das eines Kindergartens“, sagte der Diplomat.
Sorge vor Wahlbeeinflussung und politischer Spaltung
Ein weiterer Diplomat erklärte, seit dem Ende der Blockkonfrontation des Kalten Krieges könne Moskau die Ängste sowohl linker als auch rechter Bevölkerungsteile ausnutzen. Führende europäische Politiker sorgten sich, dass sich Russlands Einfluss 2027 in weiteren Erfolgen rechtspopulistischer Kräfte in Polen, Frankreich und Italien niederschlagen könnte. Auch der Zulauf zur AfD in Deutschland bereite Sorgen. Der Aufstieg russlandfreundlicher Parteien gefährde Pläne für eine engere europäische Verteidigungszusammenarbeit.
Italiens Außenminister Antonio Tajani warnte dem Bericht zufolge vor täglichen Cyberangriffen und möglicher russischer Einmischung in die Parlamentswahl 2027. Guido Crosetto, der Verteidigungsminister des Landes, verwies auf Moskaus Möglichkeiten in sozialen Medien, bei künstlicher Intelligenz, Datenbanken und kritischer Infrastruktur. „Wir haben keine Abwehrkräfte und sind angreifbar“, sagte er. Zugleich warnte er davor, die Unbeliebtheit von Regierungen allein mit russischer Desinformation zu erklären: Moskau nutze reale Probleme wie niedrige Löhne aus, hinzu komme die Ermüdung angesichts der Kosten des Ukrainekriegs.
Zugleich bereiteten sich die USA darauf vor, ihre Verpflichtungen für die konventionelle Verteidigung Europas zu verringern. Die Münchner Sicherheitskonferenz wirbt für eine engere Zusammenarbeit der fünf europäischen Militärmächte in der E5-Gruppe, zu der auch Großbritannien gehört. Teilnehmer fürchteten jedoch, Washington könne eine stärkere europäische Rolle innerhalb der Nato trotzdem blockieren. Ein Diplomat sagte: „Die USA sind besser darin, über Lastenverlagerung zu sprechen als über Machtteilung.“