Laut NRW-Innenminister Herbert Reul hat die Polizei in Niederzier bei Düren am Freitag das Fahrzeug des 48 Jahre alten Verdächtigen aus Gevelsberg gestürmt. Der Mann habe sich aber nicht in dem Wagen befunden. Vermutlich sei er zu Fuß geflohen.
Das Fahrzeug des Verdächtigen habe im Wald gestanden, sagte der Leiter der Staatsschutz-Abteilung im nordrhein-westfälischen Innenministerium, Markus Gemünd. Jetzt werde es auf Spuren durchsucht.
Zuvor hatte die Polizei in Gevelsberg ein Wohnhaus der Familie gestürmt, fand den Gesuchten dort aber nicht. Bei einer Pressekonferenz hatte Reul gesagt, in der Wohnung des Mannes sei Sprengstoff gefunden worden. Es habe sich um die Stoffe Kaliumnitrat und Kaliumperchlorat gehandelt, hießt es später ergänzend.
Laut Reul gibt es keine weiteren Indizien, dass der Mann besonders gefährlich sei. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zufolge handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Einzeltäter und um „Klimaterrorismus“.
Reul zufolge gilt es nun zu prüfen, ob der Verfasser der Bekennerschreiben auch der Täter ist. Stand jetzt bewerte man die Briefe als authentisch. Reul warnte aber auch: „Wenn jemand seinen Namen druntersetzt, ist er nicht zwingend der Verantwortliche.“ Man prüfe, ob der Mann allein gehandelt habe und ob es Verbindungen zu Vorfällen in Brandenburg gebe.
Denkbar ist auch, dass die unterschiedlichen Vorfälle auf verschiedene Täter mit jeweils eigenen Motiven zurückgehen. Auch Trittbrettfahrer sind vorstellbar.
Was verraten die Bekennerschreiben?
In der Vergangenheit hatten sich mehrfach linksextremistische Gruppen zu Anschlägen auf die Stromversorgung bekannt. Doch so lesen sich die Schreiben, über die zuerst die „taz“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichteten, nicht.
„Wenn hier Recht und Ordnung herrschten, dann müsste ich das Gesetz nicht brechen und einen Haufen Leid in Kauf nehmen, das ich wegen dem Stromausfall und allen Stromausfällen, die da noch kommen müssen, zu verantworten habe“, heißt es in einem der Briefe. Linksextremisten sehen die staatliche Ordnung skeptisch oder lehnen sie ab. Zudem grenzt sich der Verfasser ausdrücklich von der linken Szene ab: „Die ham da nix mit zu tun.“ Er wandte sich gegen die „fossile Brennstoffindustrie“, die Rüstungsindustrie und kritisierte den „Völkermord in Palästina“.
Zu Aktionen, die Behörden Russland zuschreiben, wie zuletzt den Anschlagsversuch mit einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle, passt das namentlich unterzeichnete Schreiben nicht – denn zu ihnen bekennt sich normalerweise niemand.
Wie gut ist das Stromnetz geschützt?
Flächendeckender Schutz ist bei einem so verzweigten System wie dem Stromnetz nicht möglich, wie Betreiber und Behörden immer wieder betonen – ebenso wenig wie zum Beispiel beim Bahnnetz. Allenfalls besonders kritische Einrichtungen kann man verstärkt schützen.