Rentenreform
„Schrecklich“: Promi-Köchin rechnet mit neuen Minijob-Plänen ab
Aktualisiert am 25.06.2026 – 12:30 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Rentenkommission will Minijobs ihren Sonderstatus nehmen. Für Hamburgs Restaurants, Cafés und Bars trifft das einen Nerv: Ohne Aushilfen, sagen viele, läuft der Laden nicht.
Am Dienstag hat die Rentenkommission ihren Bericht zur Reform der Altersvorsorge vorgelegt, insgesamt 33 Maßnahmen. Eine davon betrifft die Minijobs. Bisher zahlen Minijobber für Einkünfte bis 603 Euro im Monat weder Steuern noch Sozialabgaben, die Arbeitgeber führen pauschale Beträge ab. Künftig sollen alle, die arbeiten, in die Renten-, Pflege- und Krankenversicherung einzahlen. Eine Ausnahme soll es nur noch für Schülerinnen und Schüler geben. Wann die Regel greifen würde, ist offen.
Bundesweit zählte die Statistik im März 2026 rund 7,5 Millionen Minijobber, knapp 3,5 Millionen davon als Nebenverdienst zum Hauptjob. In Hamburg sind es schätzungsweise knapp 180.000. Für viele von ihnen bliebe künftig weniger übrig. Den Rentenbeitrag trügen Arbeitgeber und Beschäftigte je zur Hälfte, bei 603 Euro wären das gut 56 Euro im Monat für den Minijobber. Statt 603 Euro blieben so noch knapp 547 Euro, und davon gingen Pflege- und Krankenversicherung noch ab.
Auch für Arbeitgeber würden die Personalkosten steigen. Um wie hoch die Mehrbelastung je Beschäftigtem ausfiele, hängt allerdings von der konkreten Ausgestaltung der Reform ab.
Der Vorschlag der Rentenkommission im Überblick:
- Minijob-Sonderstatus: künftig nur noch für Schülerinnen und Schüler
- Neue Minijob-Grenze ab 2027: 633 Euro im Monat (aktuell: 603 Euro)
- Zeitpunkt der Umstellung: offen
„Wer Minijobs schwächt, schwächt das Gastgewerbe“
In der Branche kommt der Vorschlag schlecht an. Der Branchenverband Dehoga nannte ihn bundesweit eine „Katastrophe“ für das Gastgewerbe und warnte vor dem Verlust eines unverzichtbaren Beschäftigungsinstruments. Auch der Dehoga Hamburg stellt sich klar dagegen. „Wer Minijobs schwächt, schwächt das Gastgewerbe“, heißt es in einem Schreiben von Präsident Bernd Aufderheide und Geschäftsführer Simon Wieck an die Mitglieder.
In Hotels, Restaurants, Cafés und Bars seien Minijobber fester Teil des Teams: am Wochenende, im Abendgeschäft, bei Veranstaltungen oder wenn kurzfristig jemand ausfällt. Schwarzarbeit müsse konsequent bekämpft werden, legale Arbeit aber dürfe nicht unter Generalverdacht geraten.
Ein Job reicht vielen Hamburgern nicht
Diese Sicht teilt Julia Bode, die das Weinrestaurant Witwenball in der Weidenallee führt und zugleich Dehoga-Botschafterin ist. Das Statement des Verbands unterstützt sie ausdrücklich. Zugleich verweist sie auf die Lage vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Ein einziger Job reiche für viele in Hamburg längst nicht mehr, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.
