Gold zum Schnäppchenpreis?
Händler muss umstrittene Goldangebote stoppen
30.05.2026 – 13:43 UhrLesedauer: 4 Min.
Gold mit Rabatt? Dieses Versprechen hat Tausende Anleger angelockt. Nun greift die Finanzaufsicht durch und das gesamte Geschäftsmodell rückt in den Fokus.
Die liechtensteinische Finanzmarktaufsicht (FMA) hat dem umstrittenen Goldhändler TGI die sofortige Einstellung des Vertriebs und des öffentlichen Angebots von drei Goldprodukten angeordnet: „Customer Basic 2 %“, „SalesPremium“ und „Sofortrabatt“. Das teilte die Behörde am vergangenen Donnerstag mit.
Wörtlich heißt es in der Mitteilung: „Die FMA rät dringend davon ab, Investitionen im Zusammenhang mit dem Angebot der TGI AG zu tätigen, insbesondere nicht auf Angebote zu reagieren oder Gelder zu überweisen.“
Die FMA begründet das Verbot damit, dass die TGI AG nicht über eine aufsichtsrechtliche Bewilligung verfügt und daher kein bewilligungspflichtiges Einlagengeschäft, sprich: die Annahme von Einlagen und rückzahlbaren Geldern, in Liechtenstein erbringen darf. Kunden, die ihr Gold bereits erhalten haben, sind von der Verfügung laut Darstellung der TGI AG nicht betroffen.
Bafin warnte deutsche Anleger schon im Frühjahr
Bereits Ende April hatte t-online darüber berichtet, dass die deutsche Finanzaufsicht Bafin dem Goldhändler TGI mit Sitz in Vaduz (Liechtenstein) untersagt hat, bestimmte Angebote in Deutschland öffentlich zu vertreiben.
- Bafin untersagt Rabattmodell: Totalverlust mit Gold: Hier ist das Risiko sehr hoch
Betroffen waren dieselben Rabattmodelle, bei denen Kunden Geld einzahlen und das Gold erst zu einem späteren Zeitpunkt erhalten sollen. Für die Bafin war klar: Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Goldkauf, sondern um eine regulierte Vermögensanlage. Die Bafin warnte Anleger daher vor fehlenden Verkaufsprospekten und möglichen Verstößen gegen das Vermögensanlagengesetz.
Die TGI AG wirbt seit Längerem mit Rabattmodellen. Dabei verspricht das Unternehmen Preisnachlässe von bis zu 72 Prozent auf physisches Gold, allerdings nur bei späterer Lieferung. Nach eigenen Angaben erhalten Kunden für jeden Monat des Lieferaufschubs zusätzliche Rabatte von zwei bis drei Prozent. Je länger sie warten, desto günstiger soll das Gold werden.
Prominente Werbung für ein außergewöhnliches Goldversprechen
Um Vertrauen zu schaffen, setzte das Unternehmen stark auf Marketing, auch mit prominenten Gesichtern. So trat das Model Naomi Campbell am 16. April, nur wenige Tage vor dem Verbot durch die Bafin, bei einer von der TGI AG organisierten Veranstaltung in Wien als DJane auf. Initiiert wurde das Event von Katarina Kaltenegger, der Ehefrau des TGI-Inhabers Helmut Kaltenegger.
Auch der deutsche Comedian und Moderator Oliver Pocher wirbt öffentlich für das Rabattmodell. In Videos auf sozialen Netzwerken inszeniert er sich als interessierten Käufer und stellt das Angebot als besonders attraktiv dar. Dabei entsteht der Eindruck, Gold lasse sich deutlich unter Marktpreis erwerben – etwa 50 Gramm für rund 2.000 Euro statt für die am Markt üblichen rund 6.300 Euro.
