Enkeltrick, Fake-SMS oder Schockanrufe: Betrüger erbeuten allein in Deutschland jedes Jahr Milliardenbeträge. Betrugsexperte Peter Giesel sieht eine bestimmte Masche auf dem Vormarsch – und warnt eindringlich vor den Folgen.
Seit mehr als elf Jahren beschäftigt sich Moderator und Produzent Peter Giesel mit Betrüger-Netzwerken, dreisten Abzocken und den Menschen, die Opfer von perfiden Methoden werden. Seine Sendung „Achtung Abzocke“ erreicht bei Kabel eins Millionen Menschen. Im Interview mit t-online spricht er über die Methoden der Täter und eine Betrugswelle, die Deutschland derzeit überrollt.
t-online: Herr Giesel, Sie produzieren und moderieren „Achtung Abzocke“ seit 2015. Was haben Sie in all den Jahren über die Menschen gelernt?
Peter Giesel: Dass sie im Kern gut sind. Bei mir melden sich jedes Jahr unzählige Zuschauer, Opfer, Nachbarn von Opfern und manchmal sogar Staatsanwälte, die einfach sagen: Darüber musst Du mal was machen. Davor muss gewarnt werden.
Womit wir beim Thema wären: Was sind die aktuell am häufigsten auftretenden Betrugsmaschen?
Da muss man nur die Polizeimeldungen der vergangenen Tage verfolgen: Klassische Maschen wie den Enkeltrick, falsche Handwerker oder Schockanrufe gibt es nach wie vor, und sie sind nicht seltener geworden. Aber: Die Betrügereien haben sich digitalisiert. Mittlerweile sitzt man auf der Couch, scrollt ein wenig im Handy und schon ist man, oft ohne es zu merken, in eine Abzockfalle getappt.
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Zur Person
Peter Giesel wurde 1971 geboren und machte schon in seiner Schulzeit erste Erfahrungen beim Radio. Zum Journalist ausgebildet wurde er bei Sat.1, anschließend war er für RTL, Sat.1 und ProSieben tätig. 2006 machte er sich mit seiner eigenen Produktionsfirma selbstständig und produziert seit 2015 das Prime-Time-Format „Achtung Abzocke“ für Kabel eins. Der Ableger „Urlaubsbetrügern auf der Spur“ geht im Juli in seine zwölfte Staffel. Darin besucht das Team um Giesel unter anderem eines der Länder der Fußball-WM. Außerdem stehen noch weitere Ziele in der ganzen Welt auf dem Programm.
Das müssen Sie erklären.
Ich habe viele Menschen kennengelernt, die ihr komplettes Vermögen auf der Couch am Handy verloren haben – mit genau dieser Art von Betrug. Da geht es um verlockende Versprechen: Am Handy Geld verdienen, ohne aufstehen zu müssen. Das klingt für viele nach einem Lottogewinn. Und genau da setzen die Abzocker an.
Wie genau funktioniert die Masche?
Die Menschen lassen sich über soziale Netzwerke, etwa über Facebook, zu einer Art Nebenjob überreden. Sie werden dann aufgefordert, einfache Tätigkeiten auszuführen. Da reden wir etwa davon, Videos anzuschauen und zu liken. Anderen wird erzählt, sie sollten Sterne auf Hotelbuchungsplattformen vergeben. Auf einem virtuellen Konto sammeln die Opfer so vermeintlich immer mehr Geld. Aber das Konto – und auch das erarbeitete Geld – existiert in Wirklichkeit nicht.
