Wackelige Finanzierung
Gamestop will Ebay mit 56-Milliarden-Dollar Angebot übernehmen
04.05.2026 – 18:07 UhrLesedauer: 3 Min.
Gamestop-Chef Ryan Cohen will den Onlinehändler Ebay schlucken. Eine erfolgreiche Übernahme könnte ihm persönliche Profite in Milliardenhöhe bescheren.
Der Videospiele-Händler Gamestop will die viel größere Online-Handelsplattform Ebay übernehmen. Das Angebot ist rund 56 Milliarden Dollar (47,7 Milliarden Euro) schwer, und zwar in Form von Bargeld und Aktien, wie Gamestop-Chef Ryan Cohen dem „Wall Street Journal“ sagte. Er wolle mit Ebay einen viel stärkeren Konkurrenten für Amazon aufbauen, erklärte Cohen sein Vorhaben. Nach einer Übernahme will er das fusionierte Unternehmen führen.
Gamestop gab am Sonntag ein Gebot von 125 US-Dollar pro Aktie bekannt. Das entspreche einem Aufpreis von 20 Prozent auf den Schlusskurs von Freitag, betonte Cohen. Im nachbörslichen Handel war der Kurs dann bereits auf bis zu 119 Dollar geklettert, nachdem das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Personen über Cohens Pläne für ein Gebot berichtet hatte.
Im frühen US-Handel lag die Ebay-Aktie am Montag bei 110 Dollar. Die Anleger haben also erhebliche Zweifel, dass Gamestop ans Ziel kommen kann. Der Aktienkurs des Videospiele-Händlers gab um rund zwei Prozent auf 26 Dollar nach.
Gamestop hält bereits einen Anteil von rund fünf Prozent an Ebay. Ausgehend von der zuletzt von Ebay genannten Zahl ausstehender Aktien gibt Gamestop den Wert des Angebots mit etwa 55,5 Milliarden Dollar an. Ebay bestätigte den Erhalt des Angebots – und will sich erst nach einer gründlichen Prüfung dazu äußern. Das gut 30 Jahre alte Unternehmen betonte zugleich seine Größe mit 135 Millionen Nutzern in 190 Ländern.
Er habe bereits eine Zusage für einen Kredit von rund 20 Milliarden Dollar für die Übernahme, sagte Cohen der Zeitung. Gamestop verfügt in seiner Bilanz über rund 9 Milliarden US-Dollar an Barmitteln, die für eine Transaktion eingesetzt werden könnten. Es war zunächst unklar, wie das Unternehmen den Rest der für eine Übernahme benötigten Mittel aufbringen würde. Es sei möglich, dass Cohen externe Investoren, wie beispielsweise Staatsfonds aus dem Nahen Osten, zur Finanzierung der Transaktion hinzuziehen könnte, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen dem „Wall Street Journal“ sagten.
Cohen hatte vor seiner Zeit bei Gamestop als Mitgründer den auf Haustierartikel spezialisierten Online-Händler Chewy geführt. Er hatte 2020 eine hohe Beteiligung bei dem Spielehändler aufgebaut, dessen Management er als zu langsam beim Online-Geschäft kritisierte, und übernahm 2023 den Chefposten. Er ließ viele Läden schließen und setzte stattdessen auf das Geschäft etwa mit Sammelkarten und Retro-Konsolenspielen, die Nostalgie bei Gamern wecken.
