Die Tatsache, dass Senkov in einer Leichenhalle im Film arbeitet, ist kein Zufall – es ist auch sein Beruf im wirklichen Leben. Kremser traf ihn vor zehn Jahren zum ersten Mal in Minsk und befand sich bald in seiner Wohnung. Die Wände hing dicht mit Ölgemälden. Die Bilder zeigten die Toten, aber nicht als starre Ähnlichkeiten. „Sie schienen seltsam lebendig, gleichzeitig verletzlich und durch eine unerwartete Zärtlichkeit gekennzeichnet“, erinnert sich Kremser. „In seinen Gemälden feiert Misha die Unbeständigkeit und zeigt, dass jeder Körper letztendlich zerfällt.“
Dokumentarfilm und Fiktion
Der Film stützt sich auf Elemente der Biografien seiner Schauspieler, trägt sie jedoch in eine andere, konzentrierte Realität. Während Senkovs Gemälde den Tod in poetische Formen übersetzen, verkörpert Imbro die Welt der makellosen als Modell – eine Rolle, die ebenfalls ihr wirkliches Leben widerspiegelt. Aber unter der perfekten Oberfläche liegt Zerbrechlichkeit: Ihr Charakter ist von Depressionen, Selbstzweifeln und Selbstmordgedanken geplagt. „White Snail“ bringt diese scheinbar entgegengesetzten Welten zusammen und setzt das soziale Streben nach Perfektion gegen die Erfahrung von Verfall und Endlichkeit.
Minsk definiert den visuellen Stil des Films. „Wir haben die Stadt ursprünglich mit grauen Betonblöcken in Verbindung gebracht“, sagt Levin Peter. „Aber vor Ort entdeckten wir die wilden Farben der Nächte, die futuristischen Satellitenstädte, die Einkaufszentren voller Neonlicht.“ Viele Szenen wurden nur mit verfügbarem Licht gedreht: Neonrohre, Straßenlaternen, Mobiltelefonbildschirme. Das Ergebnis ist eine Ästhetik zwischen Dokumentarfilm Direktheit und poetischer Ausstrahlung.
Deutsch-Austrian-Zusammenarbeit
Kremser und Peters Zusammenarbeit überquerten von Anfang an Grenzen. Die beiden studierten bei Filmakademie Baden-Württemberg, gründeten ihre Produktionsfirma Raumzeitfilm in Wien und haben sich seitdem natürlich zwischen Österreich und Deutschland bewegt. Diese doppelte Erdung prägt auch ihre Arbeitsweise. „In Österreich ist das Art-House-Kino deutlicher von kommerziellen Projekten getrennt und genießt mehr Anerkennung“, sagt Kremser. Trotzdem bleibt Deutschland eine Schlüsselsäule: Ihre Filme werden immer in enger Zusammenarbeit mit regionalen Finanzierungsprogrammen und Rundfunkveranstaltern wie ZDF und ARTE gedreht. Es gibt keine strenge Arbeitsteilung: ob Ideen, Finanzierungen oder Skripte – jede Entscheidung wird im Dialog getroffen. Ihre Filme tragen ein gemeinsames Markenzeichen.
Europäische Talentprogramme
Kremser und Peter profitierten auch von europäischen Talentprogrammen. Sie erhielten ein Kompagnon -Stipendium, nahmen am Torinofilmlab teil und sicherten sich später die Unterstützung von Eurimages. Für Peter stehen diese Plattformen über allen Orten im intensiven Dialog: „Diskussionen mit anderen internationalen Direktoren und das Lesen der Skripte des anderen können sehr bereichert sein und Ihnen helfen, Ihre eigenen Projekte voranzutreiben.“
Mehr Finanzierung für deutsches Kino
Derzeit kommt Fresh Dynum von Berlin: Außenminister für Kultur Wolfram Weimer hat angekündigt, dass die Bundesfilmfinanzierung im Jahr 2026 fast verdoppeln wird. Von nun an werden 250 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stehen, um Planungssicherheit zu gewährleisten und internationale Produktionen zu stärken. Kremser und Peter begrüßen diesen Schritt und hoffen, dass es vielen Filmemachern die Unterstützung bietet, die sie brauchen, um ihre Arbeit zu verfolgen.
