Der Preis des Alters
Wir leben länger, aber sind immer länger krank
05.09.2025 – 11:55 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Lebenserwartung in Deutschland ist sehr hoch. Doch wie viele Jahre davon sind wirklich gute Jahre? Eine neue Studie offenbart die Lücke zwischen Lebenszeit und Lebensqualität.
Weltweit werden die Menschen immer älter. Doch sie verbringen zunehmend mehr Jahre ihres Lebens mit Krankheiten oder gesundheitlichen Einschränkungen. Das zeigt eine neue Studie von Forschern der Mayo Clinic in den USA. Die Studie liefert erstmals eine umfassende Analyse der sogenannten „Healthspan-Lifespan Gap“, also der Lücke zwischen der Lebenserwartung und der Zahl der Jahre, die Menschen tatsächlich gesund verbringen. Die Ergebnisse zeigen: Diese Lücke ist überall auf der Welt vorhanden, aber sie fällt je nach Region sehr unterschiedlich aus.
Die Forscher werteten Daten aus 183 Ländern aus, aufgeteilt in sechs Weltregionen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Dabei verglichen sie die durchschnittliche Lebenserwartung mit der gesund verbrachten Lebenszeit, also den Jahren, die Menschen ohne chronische Erkrankungen oder dauerhafte Einschränkungen leben.
Das Ergebnis: Im weltweiten Durchschnitt liegt diese Lücke inzwischen bei 9,1 Jahren. Am größten ist sie mit 12,4 Jahren in den USA, am kleinsten mit 6,5 Jahren in Lesotho. Europa liegt mit durchschnittlich 9,9 Jahren im oberen Bereich.
Auch für Deutschland zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Lebensdauer und Lebensqualität:
Zwar steigt die Lebenserwartung weiter an, doch die Zahl der gesunden Lebensjahre wächst deutlich langsamer oder stagniert. Vor allem die zusätzlich gewonnenen Jahre im höheren Alter – also ab etwa 65 – sind häufig von chronischen Erkrankungen geprägt. Dadurch vergrößert sich die Lücke zwischen Lebenszeit und Lebensqualität gerade im letzten Lebensabschnitt. Denn die zusätzlich gewonnenen Lebensjahre sind häufig geprägt von chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes oder Arthrose.
Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland damit leicht besser ab als der europäische Durchschnitt, gehört aber nicht zu den Spitzenreitern. Länder wie Schweden, Spanien oder Malta erreichen sogar über 70 gesunde Lebensjahre.
Weltweit zeigte sich: Afrika hat die kürzeste Lebenserwartung (64 Jahre) und die geringste Zahl gesunder Lebensjahre (55,6 Jahre). Die Lücke beträgt also etwa acht Jahre mit Krankheit oder Einschränkungen.
Das klingt zuerst besser als in Europa, wo die Lücke rund zehn Jahre beträgt. Aber: Weil das Leben in Afrika insgesamt viel kürzer ist, machen diese acht kranken Jahre einen größeren Teil des Lebens aus.
Die Forscher erklären das mit einem sogenannten „doppelten Krankheitsdruck“: Infektionskrankheiten wie Malaria oder Tuberkulose bestehen weiter, während gleichzeitig nicht übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes oder Krebs stark zunehmen.
Laut den Studienautoren hängen die Unterschiede vor allem mit drei Faktoren zusammen:
Spannend ist auch, wie die Forscher zu ihren Ergebnissen kamen: Mithilfe von Künstlicher Intelligenz ordneten sie Länder in drei Gruppen ein – je nachdem, welche Krankheiten dort am meisten zur Gesundheitsbelastung beitragen. Einige Beispiele:
