Wegen Lücke im Bußgeldsystem
Neuer Punkte-Betrug: Jetzt ist Ihr Führerschein in Gefahr
31.07.2025 – 12:20 UhrLesedauer: 2 Min.
Betrüger nutzen eine Lücke bei den Bußgeldstellen. Leidtragende erfahren davon erst, wenn der Führerschein weg ist. Wie die Masche funktioniert – und wie Sie sich schützen können.
Wer zu schnell fährt, bekommt Punkte in Flensburg. Doch was passiert, wenn ein Fremder Ihnen seine Punkte anhängt? In Deutschland klafft eine Lücke im System: Verkehrssünder nennen auf Anhörungsbögen einfach fremde Personen, die angeblich am Steuer saßen. Dazu erfinden sie Adressen – und die Behörden schicken den Bescheid ungeprüft los.
Die Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ erklärt an einem aktuellen Fall, wie die Masche läuft und welche Folgen sie haben kann.
Dustin Senebald aus Düsseldorf weiß, wie perfide der neue Betrug sein kann. Ihm wurden acht Verkehrsverstöße angedichtet – an keinem davon war er beteiligt. Die Täter nutzten falsche Adressen, sodass die Behörden Post ins Leere schickten. Senebald selbst erfuhr davon erst, als ihm der Führerschein entzogen werden sollte. Dann schrieb die Führerscheinstelle nämlich an seine korrekte Wohnadresse. Sein Flensburger Punktekonto war da bereits voll: acht Punkte – für Delikte, die er nie begangen hat.
Mit einem Anwalt wies Senebald nach: Er war nie der Fahrer. „Ein Passbildabgleich hätte genügt“, sagt er. „Dann wäre sofort klar gewesen, dass ich nicht die Person auf den Blitzerfotos bin.“ Doch die Praxis der Bußgeldstellen sieht keine Adressprüfung vor – zu aufwendig.
Eine Anfrage von „Auto Motor und Sport“ ergab, dass Adressen grundsätzlich nicht verifiziert werden. „Eine systematische Vorabprüfung jeder Anschrift wäre nicht umsetzbar“, erklärte etwa die Stadt Dortmund. So bleibt die Lücke offen und lädt Nachahmer ein.
Verkehrsrechtsanwalt Uwe Lenhart spricht von einem gefährlichen Missbrauch: „Damit kann man jemanden gehörig in Schwierigkeiten bringen.“ Sein Kollege Marco van Donzel-Giesen warnt vor den Folgen für das gesamte System: Wenn das Schule macht, drohen Massen an Wiederaufnahmeverfahren. „Und das ganze System kann zu Fall kommen.“
