„Abartige sexuelle Fantasien“

Studentin vergewaltigt und ermordet: 81-Jähriger soll viele Jahre ins Gefängnis


26.08.2026 – 12:38 UhrLesedauer: 2 Min.

Hans S. neben seinem Anwalt: Der Angeklagte war erst im Februar festgenommen worden, über 30 Jahre nach der Tat. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Mindestens 15 Jahre, vielleicht auch 20 oder 30: Ein deutscher Rentner soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft lange hinter Gittern bleiben.

Mit Messer und Handschellen in der Tasche soll Hans S. im Jahr 1994 ein Opfer gesucht und schließlich die 24 Jahre alte Medizinstudentin Amy Lopez vergewaltigt und getötet haben. Mehr als 30 Jahre lang lebte S. unbehelligt – jetzt steht der 81-Jährige in Koblenz vor Gericht und muss sich auf eine lange Haftstrafe gefasst machen. Die Staatsanwaltschaft hat in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert. Dabei sei eine besondere Schwere der Schuld festzustellen.

S. hatte die Tat zu Prozessbeginn über seinen Anwalt bereits gestanden. Für die Staatsanwaltschaft besteht auch mit Blick auf die forensischen Untersuchungen „keinerlei Restzweifel“.

„Keinen Bock“ auf Arbeit: Hans S. beschließt, Frau zu vergewaltigen

Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann zur Last, „zur Befriedigung des Geschlechtstriebs heimtückisch und sonst aus niedrigen Beweggründen einen Menschen getötet zu haben“. Seine „abartigen sexuellen Fantasien“ habe er „um jeden Preis“ ausleben wollen, hieß es im Plädoyer des vortragenden Staatsanwalts.

Die damals 24-jährige Amy Lopez: Die US-Studentin war in der Festung Ehrenbreitstein tot aufgefunden worden. (Quelle: Polizei Rheinland-Pfalz)

Im Prozess berichtete ein Psychiater, was S. ihm in der Untersuchungshaft erzählte: Demnach hatte der Angeklagte am Tattag „keinen Bock“ auf Arbeit gehabt. An der Bushaltestelle sei ihm der Gedanke gekommen, eine Frau zu vergewaltigen.

Spielende Kinder fanden die Leiche

Die Studentin Amy Lopez aus Texas wurde zum Zufallsopfer. Sie befand sich auf einer Europareise und wollte die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz besichtigen. S. gefiel die junge Frau mit dem Reiserucksack – er lockte sie in das etwas abseits gelegene General-von-Aster-Zimmer unterhalb der oberen Festungsanlage.

Dort soll Hans S. die 24-Jährige mit Handschellen gefesselt, entkleidet und vergewaltigt, dann mit mehreren Messerstichen und einem Stein getötet haben. Messer und Handschellen warf er in den Rhein. Spielende Kinder fanden die Leiche.

Eine steile Treppe führt in das ehemalige Arbeitszimmer des preußischen Generals Aster: Hier entdeckten Kinder die Leiche der amerikanischen Touristin Amy Lopez. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Erst jetzt konnte die Tat nach einer Auswertung alter DNA-Spuren mit neuen technischen Möglichkeiten aufgeklärt werden. Der 81-Jährige wurde Ende Februar 2026 in einem Seniorenheim im Raum Koblenz festgenommen.

Das würde eine besondere Schwere der Schuld bedeuten

Nachdem der Angeklagte gestanden hat, steht nun bereits nach dem dritten Prozesstag ein Urteil kurz bevor – es soll an diesem Freitag fallen. Lebenslange Haft würde mindestens 15 Jahre Gefängnis für Hans S. bedeuten. Bei der Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld würde erst im Laufe der Vollstreckung eine erhöhte Mindestverbüßungszeit festgelegt werden.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version